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20. Juli 2026

Was sind eigentlich… Compatibility Packs?

„Compatibility Packs“ sind Übergangsfunktionen, die es Anwendern temporär erlauben, klassische SAP-ERP-Funktionalitäten innerhalb von SAP S/4HANA weiterzubetreiben.

Was ist eigentlich TDD

SAP hat diese Kompatibilitätspakete in den Jahren 2015 beziehungsweise 2016 geschaffen, weil viele Nachfolgelösungen für SAP ECC (ERP Central Component) in den frühen Releases noch nicht verfügbar oder funktional nicht gleichwertig waren.

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren den Umstieg auf SAP S/4HANA als Brownfield-Migration vollzogen – und dabei bewährte Funktionen aus der ECC-Welt einfach mitgenommen. Möglich machten das die sogenannten Compatibility Packs. Sie waren ab 2015 Bestandteil jeder S/4HANA-Lizenz (für On-Premises und Private Cloud) und sollten den Umstieg erleichtern, sodass Unternehmen nicht alle Prozesse gleichzeitig transformieren mussten. Der Haken: Die Nutzungsrechte waren von Anfang an befristet. Die verbindliche Referenz ist der SAP-Hinweis 2269324 („Compatibility Scope Matrix for SAP S/4HANA“), der für jedes einzelne Paket den Ablauftermin und die Nachfolgelösung dokumentiert.

Von der Brücke zur Dauerlösung

Was als Brücke gedacht war, ist in vielen Systemlandschaften zur Dauerlösung geworden. Doch diese Brücke wird jetzt abgebaut: Für die meisten Compatibility Packs sind die Nutzungsrechte für On-Premises ausgelaufen – inklusive der letzten Übergangsfrist, die SAP bis Ende Mai 2026 gewährt hatte. Wer heute noch Funktionen aus dem Kompatibilitätsumfang produktiv nutzt, bewegt sich außerhalb seines Lizenzvertrags.

Die Laufzeiten: Wer bis wann handeln muss

Die Fristen sind unterschiedlich – und genau das führt in der Praxis immer wieder zu Missverständnissen:

  • On-Premises (klassische S/4HANA-Lizenz): Für die große Mehrheit der Compatibility Packs sind die Nutzungsrechte zum 31. Dezember 2025 ausgelaufen. SAP hatte kurz vor dem Stichtag eine finale Übergangsfrist bis Ende Mai 2026 eingeräumt – ausdrücklich als letzte Kulanz. Wer heute noch entsprechende Funktionen nutzt, verstößt damit gegen die Lizenzbedingungen.
  • Die 2030er-Ausnahmen: Drei Bereiche haben verlängerte Nutzungsrechte bis zum 31. Dezember 2030: Customer Service (CS), Logistics Execution – Transportation (LE-TRA) und Production Planning – Process Industries (PP-PI). Hier hat SAP eingesehen, dass die Nachfolgelösungen erst spät funktionale Reife erreicht haben.
  • RISE with SAP/ Private Cloud Edition: Kunden mit einem RISE-Vertrag dürfen sämtliche Compatibility Packs bis Ende 2030 weiter nutzen, sofern ihre Systeme unter gültiger Wartung stehen – ein Vorteil, den das Cloud-Vertragsmodell mit sich bringt.
  • Das technische Ende für alle: Mit dem Release S/4HANA 2027 plant SAP, die Compatibility Packs technisch aus dem Produkt zu entfernen – unabhängig vom Vertragsmodell. Spätestens dann ist für alle Anwender Schluss.

Wichtig: Die Wartungsverlängerungen für die Business Suite 7 (ECC) bis 2027/2030 haben mit den Compatibility-Pack-Fristen nichts zu tun.

Die wichtigsten Packs und ihre Nachfolgelösungen

Compatibility Packs

Erfreulich ist, dass die Basic-Varianten von EWM und TM bereits ohne zusätzliche Lizenzkosten direkt in SAP S/4HANA enthalten sind. Die größte Herausforderung liegt daher nicht in den Lizenzen, sondern vielmehr in der Einführung der Lösungen: Daten müssen aufbereitet, das System konfiguriert, Prozesse angepasst und Mitarbeitende auf die Veränderungen vorbereitet werden (Change Management).

Was passiert bei Untätigkeit?

Die Risiken sind größer, als viele denken.

  • Lizenz-Compliance: SAP wertet den Einsatz nach Fristablauf als unlizenzierte Nutzung und damit als Vertragsverstoß. Im nächsten Audit oder in der nächsten Vertragsverhandlung wird das zum Hebel – zugunsten von SAP.
  • Wartungsende: Mit Ablauf der Nutzungsrechte enden Support und Wartung für den Kompatibilitätsumfang vollständig – es gibt keine Patches und keine gesetzlichen Änderungen (Legal Changes) mehr. Gerade bei Themen wie Konsolidierung oder HCM ist das ein hohes operatives Risiko.
  • Technische Abschaltung: SAP behält sich ausdrücklich vor, die Funktionalitäten in künftigen Releases technisch unzugänglich zu machen. Wer auf Compatibility Packs angewiesen ist, verbaut sich damit den Weg zu aktuellen Releases – und in der Folge zu Innovationen wie SAP Business AI und Joule, die aktuelle Release-Stände voraussetzen.
  • Verhandlungsposition: Wer erst nach Fristablauf bei SAP um eine Lösung bittet, verhandelt aus der denkbar schwächsten Position.

Handlungsempfehlungen: Das sollten Anwender jetzt tun

  1. Transparenz schaffen: Der SAP Readiness Check und der EarlyWatch Alert zeigen, welche Compatibility-Pack-Funktionen im eigenen System tatsächlich genutzt werden. Ergänzend hilft der Simplification Item Check. Diese Bestandsaufnahmen sind entscheidend für die weitere Planung.
  2. Fristen mappen: Es gilt, jede genutzte Funktion gegen SAP-Hinweis 2269324 und die zugehörigen Business Impact Notes zu prüfen. Was ist bereits abgelaufen? Was läuft 2030 aus? Was ist durch das eigene Vertragsmodell (On-Premises vs. RISE) abgedeckt?
  3. Priorisieren nach Risiko: Bereits abgelaufene Packs sollten zuerst ersetzt werden. Anschließend sollten Lösungen mit Fristen bis 2030 folgen. Auch wenn bis dahin noch einige Jahre verbleiben, brauchen Projekte wie die Einführung von SAP TM oder SAP EWM inklusive Prozessdesign, Tests und Roll-out in der Praxis häufig zwölf bis 24 Monate.
  4. Als Chance begreifen: Der erzwungene Wechsel ist zugleich die Gelegenheit, Altlasten abzubauen und Prozesse auf den Clean-Core-Gedanken auszurichten. Wer ohnehin migrieren muss, sollte bestehende Strukturen nicht eins zu eins nachbauen, sondern modernisieren.
  5. Vertragsmodell strategisch bewerten: Für Unternehmen, die den Wechsel in die SAP Private Cloud Edition (RISE) ohnehin erwägen, verschafft dieser Schritt Luft bis 2030 – ersetzt die Transformation aber nicht, sondern verschiebt sie nur. Die Zeit muss aktiv genutzt werden.

Fazit

Die Compatibility Packs haben ihren Zweck erfüllt: Sie haben tausenden Unternehmen einen schrittweisen Umstieg auf SAP S/4HANA ermöglicht, ohne dass sie sämtliche Prozesse gleichzeitig transformieren mussten. Heute stehen für die meisten ECC-Funktionen geeignete Nachfolgelösungen bereit – vielfach bereits in SAP S/4HANA integriert und ohne zusätzliche Lizenzkosten nutzbar. Sie bilden die Grundlage dafür, Innovationen wie Embedded Analytics oder Business AI einzusetzen. Wer jetzt Transparenz schafft und die Migration strukturiert angeht, macht aus einer lizenzrechtlichen Notwendigkeit eine Chance zur nachhaltigen Modernisierung.

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