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17. April 2026

Update von SAPs Integrationszertifizierungsprogramm

Das sind die Neuerungen für Partner- und ISV-Lösungen und so steht die DSAG dazu.

SAPs Integrationszertifizierungsprogramm

Ab 1. Juli gilt das neue Rahmenwerk des SAP Integration and Certification Centers (SAP ICC). Es hält fest, welche Anforderungen SAP-Partner und unabhängige Software-Anbieter (ISVs) erfüllen müssen, um ihre Lösungen regelkonform in die SAP-Landschaft zu integrieren und prüfen bzw. zertifizieren zu lassen. Eine Einschätzung von Martin Fischer, Mitglied des DSAG-Partnerbeirats.

Rund 30 Seiten umfasst der neue SAP Integration Certification Framework Reference Guide des SAP ICC. Ziel des Dokuments ist es laut SAP, sicherzustellen, dass Partnerlösungen stabil, Upgrade-fähig und im Einklang mit SAPs Cloud- und Plattformstrategie betrieben werden. Entsprechend definiert es, welche Integrationsansätze von Partnerlösungen erlaubt sind, welche technischen und architektonischen Vorgaben für sie gelten und welche Prozesse zur Qualitätssicherung sie durchlaufen müssen. Erstmals wird im Dokument eine Möglichkeit beschrieben, mit der auch unabhängige Anbieter (Independent Software Vendors, ISVs) ihre Software auf konforme Integration überprüfen lassen können, ohne dass diese Hersteller zwingend SAP-Partner sein müssen. Ab 1. Juli gilt das angepasste Rahmenwerk. Martin Fischer, Mitglied des DSAG-Partnerbeirats, hat sich die wichtigsten Neuerungen innerhalb des Integrationszertifizierungsprogramms angeschaut.

Zwei Wege, um Lösungen validieren zu lassen

Das Rahmenwerk beschreibt zwei Wege, mit denen SAP-Partner ihre Lösungen validieren lassen können: Eine Möglichkeit ist die Integrationszertifizierung – eine Zertifizierung, die es bereits gibt, künftig aber neuen Regelungen folgen soll. Die zweite, die sogenannte Interoperabilitätsprüfung, ist neu und fokussiert auch ISV-Lösungen von Herstellern, die nicht SAP-Partner sind.

Anwendungsfall-basierte Integrationszertifizierung

Die Integrationszertifizierung (Integration Certification) richtet sich ausschließlich an Partner. Die große Änderung am Prozess besteht darin, dass die zu zertifizierende Software künftig einen sogenannten „Functional Use Case” erfüllen muss. Was ein „Functional Use Case“ ist, das wird von SAP auf Basis strategischer Prioritäten, Kundenbedarfe und technischer Machbarkeit definiert. Das heißt, die von Partnern entwickelte Anwendung wird im Kontext bestimmter Anwendungsfälle geprüft und bewertet. Zu diesen Use Cases zählen beispielsweise Erweiterungen auf der SAP Business Technology Platform (BTP), Integrationen über die SAP Integration Suite, Business-AI-basierte Anwendungen sowie Daten- und Analytics-Szenarien. Für jeden Use Case wird geprüft, ob standardisierte Schnittstellen (APIs) genutzt und Clean-Core-Prinzipien eingehalten werden, die Lösung Upgrade-stabil und die Integration sicher und skalierbar umgesetzt ist. „Die konkrete Ausgestaltung dieser Regelung erarbeitet SAP derzeit noch. Es wird spannend, zu sehen, wie sie sich in der Praxis auswirkt“, so Fischer. „Die Beweggründe des Software-Konzerns nach SAP-Konformität und Standardisierung sind nachvollziehbar. Wenn sie aber zur Folge haben, dass sehr technische Partner-Add-ons – etwa solche, die zusätzliche, von SAP nicht unterstützte Schnittstellen anbieten – künftig nicht mehr zertifiziert werden können, ist das für Partner ein herber Einschnitt. Zusammen mit der von SAP angekündigten, aber noch nicht konkretisierten Data Access Strategy und der API Policy sorgt die Regelung daher aktuell für starke Verunsicherung bei den SAP-Partnern.“ Am 26. April 2026 soll die aktualisierte API-Richtlinie veröffentlicht werden, in der SAP auch über Änderungen bei der unterstützten Nutzung der ODP-RFC-Schnittstelle informieren möchte.

Offene und inklusive Interoperabilitätsprüfung

Die Neuerung bzw. Ergänzung innerhalb des „SAP Integration Certification Framework Reference Guides“ besteht in der Interoperabilitätsprüfung (Interoperability Review), bei der validiert wird, ob eine Lösung grundsätzlich korrekt mit SAP-Systemen zusammenarbeitet. „Sie ist wie eine Art ‚Light-Variante‘ der Zertifizierung: Im Gegensatz zur umfassenden Integrationszertifizierung steht hier die technische Funktionsfähigkeit im Vordergrund“, so Fischer. Konkret werden Anwendungen darauf geprüft, ob sie die von SAP offiziell unterstützten Schnittstellen (APIs) verwenden, technisch kompatibel mit SAP-Systemen sind und grundlegende Integrationsstandards einhalten. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Weil damit auch Lösungen von Partnern und unabhängigen Software-Anbietern (ISVs) berücksichtigt werden, die möglicherweise nicht für eine Integrationszertifizierung infrage kommen, aber dennoch eine technisch valide und stabile Integration mit SAP-Systemen ermöglichen.“ Diese Lösungen sollen künftig in SAP Notes als interoperabel aufgeführt werden und eine detaillierte Zusammenfassung der Überprüfung erhalten.

Sichtbarkeit und Transparenz für Partner und Kunden

„Durch diese neue Prüfungsoption bekommen Partner einfacher Zugang zum SAP-Integrationsframework – auch wenn ihre Lösungen formell keine Zertifizierung bekommen können, weil sie beispielsweise keine SAP-Partner sind. Das begrüßen wir“, ordnet Fischer ein.

Das aktualisierte Rahmenwerk zeigt nun auf, welche Anforderungen Anwendungen und Add-ons erfüllen müssen, die zukunftsfähig sein sollen. „Somit bekommen wir Partner klare strategische Leitplanken für eine Entwicklung entlang der SAP-Standards“, erklärt Fischer weiter. „Gleichzeitig profitieren die Lösungen, die nach Anwendungsfall zertifiziert bzw. die „Interoperability Review“ durchlaufen haben, von zusätzlicher Sichtbarkeit, da sie von SAP gelistet werden. Kunden können dort einsehen, ob die Lösung von SAP überprüft wurde.“

Auch für Kunden ergeben sich daraus klare Vorteile: Sie erhalten Zugang zu einer breiteren Palette an geprüften Lösungen, die zukunftsfähig, interoperabel, Upgrade-fähig und im Einklang mit den Clean-Core-Prinzipien von SAP entwickelt sind. Nicht zuletzt wird die Einführung datengetriebener Lösungen beschleunigt, da diese auf einer stabilen und standardisierten Integrationsbasis aufbauen.

„Es ist positiv, dass es nun ein Regelwerk gibt, das übergreifend für alle Zertifizierungen gilt“, so Fischer. „Interessant wird die Praxis. Schon jetzt ist klar, dass die Integrationszertifizierung sehr viel strenger sein wird, als es bisherige Zertifizierungen sind. Natürlich können sich Kunden im Ergebnis darauf verlassen, dass zertifizierte Lösungen höchsten Qualitäts-, Sicherheits- und Integrationsstandards entsprechen. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, wie aufwendig sich der Zertifizierungsprozess für Partner tatsächlich gestaltet – und ob SAP dafür die benötigten Ressourcen zur Verfügung stellen wird. Auch die Use Cases sind derzeit noch eine Blackbox. Was allerdings schon sicher ist: Die Zertifizierungen werden für die Partner teurer.“

Einen Austausch zum Thema gibt es bereits im Partnerforum. Mehr Infos bietet z.B. die Online-Session zur Vorstellung des „Integration Certification Programs for Partner-Built Solutions“.

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