Startseite » Textbeiträge » „Die Branche braucht jetzt Orientierung“
14. Juli 2026

„Die Branche braucht jetzt Orientierung“

Wie geht es nach der Abkündigung von SAP IDEX-CH weiter?

IDEX-CH

Die Schweizer Energieversorger stehen aktuell vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen eine Nachfolgelösung für SAP IDEX-CH einführen und sich gleichzeitig auf die neue nationale Datenplattform vorbereiten. Und das, obwohl entscheidende Rahmenbedingungen noch nicht geklärt sind.

Im vergangenen Jahr kündigte SAP an, das Produkt SAP IDEX-CH2 (Intercompany Data Exchange für die Schweiz) nicht mehr weiterzuentwickeln. Damit endet der Support für das direkt in das Branchenmodul SAP IS-U (Industry Solution for Utilities) integrierte ABAP-Add-on gemäß der bestehenden Wartungszusage. „Die Nachricht bedeutet für die Schweizer Energiewirtschaft einen herben Einschnitt“, erklärt Gerhard Höchle, Sprecher der Arbeitsgruppe Utilities Schweiz. „Sie verliert eine wichtige Branchenlösung, die nicht ganz trivial zu ersetzen ist, da viele Anwender das Produkt ihren individuellen Anforderungen entsprechend angepasst und optimiert haben.“ SAP IDEX wird in der Energiebranche genutzt, um den standardisierten elektronischen Datenaustausch zwischen Energieversorgern, Netzbetreibern und Marktpartnern für Prozesse wie Lieferantenwechsel, Messdaten- und Abrechnungsinformationen abzuwickeln. Höchle ergänzt: „Besonders brisant ist die Abkündigung auch vor dem Hintergrund der geplanten neuen nationalen Datenplattform.“

Neues Stromgesetz sieht Einführung einer zentralen Datenplattform vor

Im Zuge des neuen Stromgesetzes soll die Schweiz mit der nationalen Datenplattform (nDp) eine zentrale Plattform erhalten, über die Netzbetreiber künftig Mess- und Stammdaten austauschen. Für viele Energieversorger bedeutet das, ihre SAP-Systeme an diese Plattform anzubinden. Durch die Abkündigung von IDEX-CH2 fällt die etablierte SAP-Komponente für die automatisierte Marktkommunikation weg. Denn SAP stellte unlängst klar, dass es keine Neuentwicklung oder Anpassung der aktuellen Version IDEX-CH2 zur Abdeckung zukünftiger regulatorischer Anforderungen in der Schweiz geben wird – insbesondere im Zusammenhang mit der neuen nationalen Datenplattform und neuen Marktprozessen.

Nationale Datenplattform: unklare Rahmenbedingungen erschweren Planung

„Die Unternehmen stehen damit vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen ihre bestehende SAP-Lösung ersetzen und gleichzeitig die Voraussetzungen für die Anbindung an die neue Plattform sowie für die Umsetzung der künftigen SDAT-CH-Vorgaben schaffen“, erläutert Höchle, „zwei immense Aufgabe, die viele Ressourcen kosten.“ Dabei sind wichtige organisatorische und technische Rahmenbedingungen, darunter wer die nationale Plattform betreiben wird, noch nicht final geklärt. Nach derzeitiger Informationslage soll die neue Plattform 2027 in Betrieb gehen soll.

DSAG bringt alle Beteiligten an einen Tisch

„Die Branche braucht jetzt Orientierung“, so Höchle. Um die Lage zu sondieren und Transparenz über die weiteren Entwicklungen zu schaffen, bringt die DSAG alle Akteure zusammen, zuletzt beim Treffen der Arbeitsgruppe Utilites Ende Juni. Zahlreiche Energieversorger folgten der Veranstaltungseinladung. „Mit dabei waren Unternehmen, die zusammen mehr als die Hälfte der Zählpunkte in der Schweiz repräsentieren. Das verdeutlicht die Brisanz der Lage und die große Notwendigkeit nach Austausch“, ordnet Höchle ein. Auch ein Vertreter des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) war vor Ort, um ein Update zur nationalen Datenplattform zu geben. Der VSE erarbeitete die fachlichen Richtlinien für die nationale Datenplattform – eine wichtige Basis der Ausschreibung des Bundesamts für Energie (BFE).

Zwei mögliche SAP-Nachfolgelösungen in der Entwicklung

Ebenso nutzten die Software-Unternehmen Swisscom sowie Dina IT Solutions mit Partner eQuanticum die Gelegenheit, um ihre SAP-IDEX-CH-Nachfolgelösungen zu präsentieren. „Die gute Nachricht ist, dass mit den IT-Unternehmen zwei Anbieter daran arbeiten, die Lücke, die SAP IDEX-CH hinterlässt, zu schließen“, erklärt der DSAG-Sprecher. „Das stimmt uns und die Energieversorger zuversichtlich. Allerdings stehen die Produkte noch weit am Anfang.“ Dina gab an, im Sommer mit der Entwicklung zu starten, Swisscom hat bereits begonnen.

Roadmap konkretisieren und Kontakt zu Anbietern aufnehmen

„Der technische Deep-Dive in die Lösungen beim Arbeitsgruppentreffen ermöglicht es den teilnehmenden Energieversorgern nun, ihre Roadmap zum standardisierten Datenaustausch mit der nationalen Datenplattform und zur Ablösung von IDEX-CH2 zu konkretisieren. Sie haben erste Entscheidungsgrundlagen und mit den Ansprechpartnern der Lösungsanbieter, die vor Ort waren, eine Kontaktmöglichkeit, um im Folgenden weitere Fragen zu klären und Angebote einzuholen“, zeigt sich Höchle zufrieden. „Und das sollten sie bereits jetzt tun, denn die Zeit bis zur Einführung der nationalen Datenplattform ist knapp.“ Zumal die nächste Herausforderung kommen wird, wenn es an die Entscheidung für den SAP-Nachfolger und schließlich die Umstellung geht. „Sobald die Nachfolgeprodukte marktreif sind, wird der Ansturm groß sein. Noch offen ist, wie die Anbieter die Nachfrage innerhalb der kurzen Zeit bedienen wollen“, so Höchle.

In Richtung SAP erklärt er: „Die Produktumstellung wird zeit- und kostenintensiv. Daher erwarten wir von SAP, dass Energieversorger ihre IDEX-CH-Lizenzen zum gegebenen Zeitpunkt zurückgeben können, damit keine doppelte finanzielle Belastung entsteht. Denn auch die neuen Lösungen von Dina und Swisscom müssen lizenziert werden. Ebenso erwarten wir, dass SAP die Integration der neuen Lösungen in SAP IS-U unterstützt, zertifiziert und die notwendigen Schnittstellen bereitstellt. Die Lage ist alles andere als einfach“, resümiert der Sprecher. „In solchen Situationen zeigt sich, wie wertvoll die DSAG als Mittler sein kann.“  

Gremien

Im DSAGNet finden Sie weitere Infos zum Thema. Schauen Sie rein und diskutieren Sie mit! Wenn Sie noch kein DSAG-Mitglied sind, können Sie sich hier registrieren und mehr zu den Vorteilen einer DSAG-Mitgliedschaft erfahren.

Das könnte Sie auch interessieren