SAP Fiori: Gemeinsam für durchgängige Prozesse
Das Thema Prozessbrüche mit nativen Fioris treibt die SAP-Anwenderunternehmen seit Langem um. Nun gibt es neue Entwicklungen – ein Update.

Seit der Einführung von SAP Fiori zeigt sich eine zentrale Herausforderung: Viele Geschäftsprozesse lassen sich nicht durchgängig auf der neuen Oberfläche abbilden, sodass Anwender:innen regelmäßig zwischen Fiori und den klassischen GUI-Transaktionen wechseln müssen. Dabei sollte gerade Fiori für eine verbesserte, intuitive und rollenbasierte User Experience sorgen. SAP ist sich der Herausforderung bewusst und kommt den Anwendern nun mit konkreten Maßnahmen entgegen.
SAP Fiori wurde entwickelt, um Anwender:innen eine moderne und nutzerfreundliche Oberfläche entlang aller SAP-Systeme bereitzustellen. Mit Fiori sollen transaktionelle und analytische Prozesse – unter anderem mittels Machine-Learning – zusammengebracht werden, sodass Nutzer:innen relevante Informationen schneller erfassen und direkt reagieren können.
So zeigen die Apps an, wenn beispielsweise Wareneingänge oder auch Fakturen überfällig sind, also Handlungsbedarf besteht. Mit wenigen Klicks lässt sich dann eine notwendige Faktura erstellen. Mithilfe von Machine-Learning können ausgewählte Apps auf Basis bestehender Daten im System (wie Bestellungen und erwartete Erlöse aus Kundenaufträgen) außerdem bestimmte Prognosen erstellen, etwa wie sich der Cashflow des Unternehmens entwickelt.
Strategische UX-Plattform, um Abläufe zu beschleunigen
Als die strategische UX-Plattform des Software-Konzerns soll Fiori die klassischen Transaktionen nicht vollständig ablösen, aber gezielt ergänzen. Und zwar so, dass Anwender:innen im täglichen Arbeiten zunehmend nur noch Ausnahmen und Probleme in Prozessen lösen müssen. Das Ziel der Apps ist es also, nicht nur die User-Experience nachhaltig zu verbessern, sondern auch die Prozesse zu vereinfachen, damit Unternehmen effizienter und schneller agieren können. In der Praxis zeigt sich jedoch an einigen Stellen ein anderes Bild.
Realität zeigt: teils stockende Prozesse und Medienbrüche
So etwa in der Business-Partner-Verwaltung: Wer die Stammdaten eines Geschäftspartners in der Fiori-App pflegen möchte, kommt spätestens bei der Steuerklassifikation an seine Grenzen. Das Feld ist nicht verfügbar, Anwender:innen müssen also auf die alte SAP-GUI-Oberfläche wechseln, um die Infos eingeben zu können.
Ein weiteres Szenario: die Änderung einer Sales-Order. Beim Bearbeiten der Konditionen, Partnerfunktionen oder Statusänderungen werden Anwender:innen automatisch auf die alte SAP-GUI-Transaktion (Dynpro) weitergeleitet, weil die Fiori-App diese Felder bzw. Logik nicht abbildet. Auch das Verwalten von Dokumenten hakt in nahezu allen Fiori-Apps, weil die Funktion für die Ablage fehlt – so z.B. im Archiv.
„So entstehen Medienbrüche, der Prozessfluss stockt“, erklärt Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Vertrieb, Produktion und Logistik. „Dieses Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Oberflächen ist nicht nur mühsam und zeitaufwändig, sondern insbesondere für den mobilen Einsatz unpraktikabel. Denn Dynpro-Oberflächen sind oftmals nicht mal responsiv. Damit sinkt verständlicherweise auch die Akzeptanz von Fiori bei den Anwender:innen. Warum sollten sie sich auch auf eine neue App einlassen, die zwar optisch schlanker und ansprechender ist, funktional allerdings hinter der gewohnten Oberfläche zurückbleibt?“
Fiori trotz Joule strategisch relevant
Entsprechend bewegt das Thema auch die Mitglieder der DSAG fachbereichsübergreifend. Von ca. 85.000 SAP-Transaktionen sind derzeit rund 5.000 als Fiori-Apps verfügbar – mit denen sich die Hauptprozesse abbilden lassen, wie SAP relativiert. Weiterhin stellt der Software-Konzern klar: Neue Fiori-Apps werden sukzessive bereitgestellt, um Prozessbrüche zu schließen und auch im Zuge von Modernisierungen. Zudem werden überwiegend alle neuen Funktionalitäten direkt auf Fiori entwickelt. Fiori ist also nach wie vor die strategische UX-Plattform von SAP.
„Dieses strategische Bekenntnis ist für Anwender, die teilweise viel in die Entwicklung von SAP-Fiori-Apps investiert haben und investieren, wichtig – und wurde von SAP-CTO Dr. Philipp Herzig auf den DSAG-Technologietagen 2026 noch einmal bekräftigt: Auch wenn mit Joule eine neue Generation der Benutzeroberfläche vorangetrieben wird, bleibt Fiori relevant“, erläutert Henzler. Und weiter: „Joule soll perspektivisch der zentrale Einstiegspunkt für Anwender:innen werden, sodass diese in natürlicher Sprache mit den Systemen interagieren können. Dennoch gelten für die Entwicklung von Joule-Funktionen häufig die gleichen Voraussetzungen wie für Fiori-Apps: Berechtigungen, Core DataServices Views (CDS Views) und Schnittstellen (OData).“
KI als Optimierungstreiber
Mehr noch: Damit Joule zuverlässig arbeiten kann, ist die Datenbasis im Hintergrund elementar. „Aktuell werden viele Funktionen auf Basis von Joule neu entwickelt, die bereits im Zuge von S/4HANA und Fiori angekündigt, aber nur teilweise umgesetzt wurden. Situation Handling ist dabei immer wieder ein zentrales Element“, ordnet Henzler ein. „So gilt für Fioris genauso wie für KI-gestützte Szenarien, dass Informationen sauber selektiert in die CDS Views überführt und via OData bereitgestellt werden müssen.“
Qualität, Konsistenz und strukturierte Daten werden für SAP also perspektivisch noch entscheidender. Daraus folgt zwangsläufig, dass sich der Software-Konzern mit den bestehenden Herausforderungen auseinandersetzen muss, die aktuell im Fiori-Umfeld sichtbar sind – etwa fehlende Eingabefelder (siehe Business-Partner-Verwaltung) aufgrund unvollständig gemappter CDS-Views oder Medienbrüche. „Wenn also Joule bzw. SAPs KI-Bestrebungen dazu führen, dass sich Fiori Apps künftig einfacher, schneller und passgenauer nutzen lassen, begrüßen wir das ausdrücklich“, so der Fachvorstand.
Prozessbrüche verstehen und beheben
Um bestehende Prozessbrüche besser zu verstehen und beheben zu können, stehen DSAG und SAP in engem Austausch. „In aufwändiger Vorarbeit haben einige unserer Mitglieder aus dem Ressort Vertrieb, Produktion & Logistik relevante Beispiele zusammengetragen, die veranschaulichen, an welchen Stellen Anwender:innen innerhalb der Fiori-App auf Hürden stoßen“, erklärt Henzler.
„Wichtig zu betonen, ist erstens, dass sich die Herausforderungen nicht allein auf Prozesse innerhalb von S/4HANA On-Premises oder in der Private Cloud beschränken. Auch in der Public Cloud gibt es zahlreiche Abläufe, die sich nicht vollständig mit Fiori abbilden lassen und für die Nutzer:innen auf die Advanced App – die funktional häufig klassischen Transaktionen entsprechen – ausweichen müssen.
Und zweitens: In Zeiten zunehmend modularer Systemlandschaften, in denen unterschiedliche Anwendungen eng zusammenspielen, müssen Prozesse noch konsequenter end-to-end über Systemgrenzen hinweg gedacht werden.“ So setzt z. B. auch SAP Digital Manufacturing (SAP DM) als Nachfolger von SAP Manufacturing Execution System (SAP MES) auf Fiori Apps.
All die gesammelten Fälle wurden von SAP gesichtet, geprüft und einige der dringend notwendigen Fiori-Funktionalitäten bereits geliefert.
Neu: Anforderungen für eine durchgängige Prozessabwicklung über CIP einreichen
Auch mit Blick auf noch offene Bedarfe zeigt sich der Software-Konzern kooperativ: Anwender können fortan nicht-durchgehende End-to-end-Prozesse mit Fioris über das Customer Influence Portal (CIP) und dort über das Projekt „Private Cloud UX End-to-End Process Improvements“ beschreiben und ihre Anforderungen einreichen. „Ziel davon ist es, so die Prozessdurchgängigkeit mit Fiori und SAP GUI zu verbessern“, betont Christopher Bennison, Vice President S/4HANA Private Cloud Product Management bei SAP. Anträge, die mindestens 15 Votes erhalten, werden von SAP prioritär bearbeitet. „Wir analysieren sorgfältig alle Fälle, die über das CIP-Projekt eingereicht werden. Die Anzahl der Stimmen ist dabei ein wichtiger Orientierungspunkt, steht aber nicht allein im Fokus unserer Bewertung“, unterstreicht Bennison.
Wie es mit den Fällen dann weitergeht, hängt davon ab, wie „schwerwiegend“ und dringlich sie im Einzelnen sind. „Tatsächliche Fehler können und sollen weiterhin über die bekannten Kanäle wie SAP for Me gemeldet werden“, so Bennison. „Die anderen Fälle prüfen wir genau und wägen ab, inwiefern wir sie im Zuge von Modernisierungen, neuen Features oder neuem Scope umsetzen – und priorisieren sie entsprechend.“ Er unterstreicht: „Wir freuen uns über das direkte, sehr qualifizierte Feedback aus der Praxis, denn es hilft uns, unser Produkt stetig weiter zu verbessern.“
Das ist für Bennison auch in der weiteren Zusammenarbeit mit der Anwendergruppe essenziell: direkte Kommunikation und Austausch – in beide Richtungen. „Wir nehmen die Rückmeldungen der Anwender sehr ernst und freuen uns zugleich über die Möglichkeit, unsererseits über aktuelle Entwicklungen bzw. Updates in der DSAG informieren zu können. Auf ein gutes Miteinander.“
Customer Influence Portal
Im CIP hat SAP das Projekt „Private Cloud UX End-to-End Process Improvements“ angelegt, über das SAP-Anwender:innen ihre Fiori-Anforderungen einreichen können. Konkret: Die Prozesse, die sie mit nativen Fioris nicht Ende zu Ende abbilden können. Wie aus den Influencing-Programmen bekannt, wird auf die eingestellten Requests gevotet. Die aktuelle Vote-Hürde liegt bei 15.