RISE with SAP on STACKIT: DSAG-Einordnung zum Marktstart
Souveräne Cloud-Option für SAP-Anwenderunternehmen auf dem Prüfstand

Die souveräne, europäische Cloud-Infrastruktur für SAP-Lösungen „RISE with SAP on STACKIT“ ist offiziell in den Markt gestartet. Die technische Bereitstellung soll im November 2026 beginnen. Damit wird aus der 2024 angekündigten Kooperation ein konkretes Angebot. Die DSAG ordnet ein, welche Chancen sich daraus ergeben – und welche Fragen SAP und STACKIT noch beantworten müssen
Bereits 2024 hatte Schwarz Digits das Angebot angekündigt – und auch die DSAG-Community hat die Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Jetzt hat das Unternehmen in einer Pressemitteilung kommuniziert, dass STACKIT als Infrastruktur-Anbieter im SAP-Toolset gelistet ist. Kunden sollen ihre geschäftskritischen SAP-S/4HANA-Anwendungen im Rahmen von RISE with SAP auf einer europäischen Cloud-Infrastruktur betreiben können. Die aktuelle Ankündigung bezieht sich ausdrücklich auf SAP-Kunden in Deutschland. Ob und unter welchen Bedingungen das Angebot auch für Kunden in Österreich, der Schweiz und weiteren europäischen Ländern bestellbar ist, geht aus den bisherigen Mitteilungen nicht eindeutig hervor. „SAP soll dabei zentraler Vertragspartner für Betrieb und Support bleiben, während STACKIT die Infrastrukturebene bereitstellt“, fasst Hermann-Josef Haag, DSAG-Fachvorstand Personalwesen & Public Sector, zusammen. Nach Angaben von Schwarz Digits gilt innerhalb von RISE with SAP eine Preisparität zwischen den zertifizierten Infrastruktur-Anbietern. Zudem betont das Unternehmen eine hohe technische Leistungsfähigkeit und DSGVO-Konformität.
Marktstart bedeutet zusätzliche Wahlmöglichkeit für Anwenderunternehmen
Mit dem Marktstart von RISE with SAP on STACKIT erweitert sich die Auswahl auf der Infrastrukturebene. Das ist aus DSAG-Sicht zu begrüßen. Der Funktionsumfang von RISE with SAP on STACKIT richtet sich nach dem bestehenden Leistungsumfang von SAP S/4HANA Cloud Private Edition. Neu ist die Möglichkeit, STACKIT als Infrastruktur für das RISE-Angebot zu wählen. Welchen Mehrwert diese zusätzliche Option bietet, hängt daher insbesondere von den Souveränitätsanforderungen und der Zielarchitektur des jeweiligen Anwenderunternehmens ab. „Der Marktstart ist ein wichtiger Fortschritt, weil aus einer angekündigten Partnerschaft eine konkrete zusätzliche Wahlmöglichkeit wird. Das stärkt die Handlungsfähigkeit der SAP-Anwenderunternehmen. STACKIT erweitert den Markt um eine europäische Alternative zu den etablierten internationalen Hyperscalern“, so Haag.
Das ist besonders für Organisationen interessant, die sensible Daten verarbeiten oder besonderen regulatorischen Anforderungen unterliegen, wie z. B. öffentliche Verwaltungen und Unternehmen aus regulierten beziehungsweise datensensiblen Branchen. Damit kann das Angebot auf zentrale Anforderungen an digitale Souveränität einzahlen. Aus DSAG-Sicht gehören dazu Selbstständigkeit, Selbstbestimmtheit und Sicherheit. Ob diese Anforderungen umfassend erfüllt werden, hängt jedoch nicht allein vom Datenstandort und der Betreiberstruktur ab. Als Orientierung kann dabei das Cloud-Sovereignty-Framework der Europäischen Kommission dienen. Es betrachtet digitale Souveränität ganzheitlich und umfasst unter anderem strategische, rechtliche, datenbezogene, operative und technologische Aspekte sowie Lieferketten, Sicherheit, Compliance und Nachhaltigkeit. Aus DSAG-Sicht sollte transparent nachvollziehbar sein, in welchem Umfang RISE with SAP on STACKIT diese Anforderungen erfüllt.
Ankündigung beantwortet erste offene DSAG-Fragen
Während 2024 DSAG-seitig noch einige Fragen zur Ausgestaltung von RISE with SAP on STACKIT bestanden, geht aus den aktuellen Mitteilungen von Schwarz Digits und STACKIT nun hervor:
- Das Angebot ist bestellbar.
- Die technische Bereitstellung ist für November 2026 angekündigt.
- STACKIT nennt Deutschland und Österreich als mögliche Server-Standorte.
- STACKIT verweist auf ISO 27001 und auf ein C5-Testat des Typs 2 nach den Kriterien des BSI.
- Das „One Contract“-Modell benennt SAP als zentralen Vertragspartner.
- Offene Standards wie OpenStack sollen nach Angaben von STACKIT proprietäre Abhängigkeiten auf der Infrastrukturebene reduzieren.
- Laut Anbieter soll für die Wahl von STACKIT innerhalb von RISE with SAP kein zusätzlicher Preisaufschlag entstehen.
Detailfragen noch offen
Wenngleich sich mit den aktuellen Ankündigungen einige Fragezeichen aufgelöst haben, besteht bei verschiedenen Details weiterhin Klärungsbedarf. Dieser betrifft weniger den Funktionsumfang von RISE with SAP selbst: Das Angebot basiert wie erwähnt auf SAP S/4HANA Cloud Private Edition und der dazugehörigen SAP-Roadmap. Die entscheidende Frage ist vielmehr, wie sich die Anforderungen an digitale Souveränität über die gesamte SAP-Landschaft hinweg erfüllen lassen. Im Zuge der strategischen Ausrichtung auf das Autonomous Enterprise werden aus DSAG-Sicht neben S/4HANA auch Cloud-, Plattform- und KI-Lösungen wie SAP BTP, SAP Business Data Cloud, Joule, LeanIX, Signavio oder SAP Cloud ALM für einen ganzheitlichen Betrieb relevant. SAP muss transparent darstellen, wie diese Lösungen zusammenspielen, wo Daten verarbeitet werden und welche Abhängigkeiten entstehen. STACKIT muss bezogen auf die Infrastrukturebene deutlich machen, welchen Beitrag die Plattform dazu leisten kann und wo deren Leistungsumfang endet“, so Haag.
Das von STACKIT in einer Pressemitteilung vom 02. September 2026 beschriebene One-Contract-Prinzip sieht SAP als zentralen Vertragspartner für Betrieb und Support vor. Das One-Contract-Prinzip ist dabei kein STACKIT-spezifisches Vertragsmodell, sondern Bestandteil von RISE with SAP. SAP bleibt der zentrale Vertragspartner des Anwenderunternehmens und verantwortet die vertraglich vereinbarten Leistungen. Mit STACKIT kommt eine weitere wählbare Infrastruktur hinzu. Aus DSAG-Sicht kann dies die Zusammenarbeit vereinfachen.
Auch die angekündigte Preisparität ist nicht als STACKIT-spezifische Preisentscheidung zu verstehen. Nach Angaben von Schwarz Digits gilt innerhalb des RISE-Programms eine einheitliche Preisstruktur für die zertifizierten Infrastruktur-Anbieter. „Die angekündigte Preisparität gilt innerhalb des RISE-Programms für alle zertifizierten Infrastruktur-Anbieter gleichermaßen. Für Anwenderunternehmen sind dennoch nicht allein die Listenpreise entscheidend, sondern die gesamten Kosten des gewählten Betriebsmodells – von Migration, Netzwerk und Datentransfer über Support und Hochverfügbarkeit bis hin zu Datensicherung und Exit“, betont Haag.
Leistungsfähigkeit braucht Praxistest
Ob RISE with SAP on STACKIT tatsächlich einen souveränen, wirtschaftlichen und funktional gleichwertigen Betrieb ermöglicht wie internationale Wettbewerber, muss sich nun in Verträgen, technischen Details und produktiven Kundenprojekten zeigen. „Die kommerzielle Verfügbarkeit ist ein wichtiger Schritt. Jetzt muss das Angebot seine Leistungsfähigkeit im produktiven Kundenbetrieb belegen“, fasst Haag zusammen.
DSAG-Empfehlung für Anwenderunternehmen
- Anforderungen an die digitale Souveränität definieren
- Daten und Prozesse nach Schutzbedarf und regulatorischen Vorgaben klassifizieren
- Gesamte Zielarchitektur einschließlich angebundener SAP-, Non-SAP-, Cloud-, SaaS- und KI-Lösungen auf Souveränitätsanforderungen prüfen
- Infrastrukturleistungen, Serverstandorte, Service-Level, Zertifikate und Gesamtkosten von STACKIT mit den alternativen RISE-Infrastrukturangeboten vergleichen Service-Level, Verantwortlichkeiten und Eskalationswege vertraglich prüfen
- Gesamtbetriebskosten einschließlich aller Zusatz- und Folgekosten vergleichen
- Exit-, Portabilitäts- und Multi-Cloud-Szenarien vor Vertragsabschluss festlegen
- Pilotprojekte oder klar abgegrenzte Workloads vor der umfassenden Migration umsetzen
- Geltungsbereich von Zertifikaten und Testaten im Detail prüfen