Recap: DSAG-Technologietage 2026
Die zentralen Themen und Ankündigungen

Bei den Technologietagen 2026 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V. haben Technologievorstand Stefan Nogly und Dr. Philipp Herzig, CTO der SAP SE, in ihren Keynotes, der Podiumsdiskussion und in der Pressekonferenz über die Themen KI, Daten und Security diskutiert. Ergänzt durch die Einschätzungen von Constanze Kurz (Chaos Computer Club) und einem Ausblick auf den Hackathon 2026. Hier die Botschaften in Kürze.
Künstliche Intelligenz: Vom Hype und Innovationen zum „Outcome Race“
KI-Agenten beschleunigen massiv diverse Arbeitsschritte und erfordern einen Umbau der Unternehmensarchitekturen. Es ist der Schritt weg von den Einzel-Features und hin zu agentischen Szenarien, Multitenant-/Multimodel-Ansätzen und neuen Rollenbildern.
DSAG-Botschaften:
- Die Strategie ist im Grundsatz gut, jedoch noch nicht in der „Fläche“ angekommen. Hohe technologische und kommerzielle Einstiegshürden veranlassen die Unternehmen noch zu Eigenentwicklungen und Workarounds.
- Es braucht klare, praxistaugliche Pfade, die aufzeigen, wie sich KI in bestehenden Landschaften schrittweise nutzbar machen lässt, während die Systemlandschaften weiter modernisiert werden können.
Das Multi‑Agenten‑System schafft echte Mehrwerte, indem es spezialisierte Agenten intelligent koordiniert statt isoliert arbeiten zu lassen. In einer Multi‑Vendor‑Landschaft ist eine Multi‑Model‑Strategie nicht nur realistisch, sondern der zeitgemäße Weg, um flexibel, resilient und zukunftssicher zu bleiben.
SAP-Botschaften:
- In diesem und den nächsten Jahren wird der Fokus auf Joule als neuem, rollenbasierten „digitalen Co-Worker“ liegen. Laut SAP ist Joule bereits in 35 SAP-Lösungen verfügbar und verfügt über 2.500 Skills. Außerdem stehen KI-Agenten in Bereichen wie Finance, HR und Travel & Expense auf der Agenda.
- SAP RPT-1 wird als tabulares Foundation Model für Vorhersagen auf Geschäftsdaten einsetzbar sein und kann in Predictive-Szenarien und mit Document AI (für hunderttausende bis hunderte Millionen Dokumente pro Jahr) genutzt werden.
- Souveräne KI (einschließlich der Lösungen wie EU AI Cloud von SAP und Delos Cloud von Delos GmbH) wird ausgebaut werden und die „AI Native North Star Architecture“ ist das Zielbild für UI, Prozesse und Datenbank-Layer in den kommenden drei bis fünf Jahren.
Datenstrategie: Vom Wildwuchs zur Business Data Cloud
Die Realität bei Unternehmen heute sind teils hybride, fragmentierte IT-Landschaften mit historisch gewachsenen Systemen, Silos und KPIs. Entscheidend für den Erfolg von KI ist das Fundament aus Daten, ohne das KI‑Agenten keinen nachhaltigen Mehrwert im operativen Geschäft entfalten können.
Die Produktidee und Reife von Datasphere und Business Data Cloud sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Die Datenprodukte sind ein wichtiger Fortschritt bezüglich des von SAP verantworteten Lifecycles sowie in puncto Qualität und Semantik.
DSAG-Botschaften:
- Die Einbettung der BDC in das SAP-Ökosystem erfordert eine weitere Öffnung und Integration. Offene Standards sind noch nicht im erforderlichen Maße frei nutzbar. So bleiben Non-Cloud-Kunden und Nutzer von On-Premises-Systemen noch zu sehr außen vor.
- Die Lizenz- und Vertragskonstrukte erschweren bisher den Kunden noch einen einfachen Einstieg, um dann skalieren zu können.
- Auf organisatorischer Ebene der Unternehmen muss klar sein, dass die Datenstrategie kein reines technisches Thema ist. Data Ownership, Governance und Domain-Verantwortung müssen daher in den Unternehmen geklärt werden.
- Zentrale Analytics- und KI-Kompetenzcenter allein können nicht skalieren. Die Verantwortung für die Datenprodukte und KI muss in den Domänen-Teams für die operativen Systeme liegen.
SAP-Botschaften:
- Daten sind der entscheidende Erfolgsfaktor für KI. Die Qualität, Integration und Kontextualisierung der Daten entscheiden über den geschäftlichen Nutzen.
- Die Business Data Cloud bildet das Fundament. SAP setzt auf eine integrierte Datenbasis, die SAP- und Non-SAP-Daten zusammenführt und für KI nutzbar macht.
- Standardisierung und Governance sind zwingend erforderlich. Einheitliche Datenmodelle, klare Verantwortlichkeiten und eine aktive Steuerung der Datenlandschaft sind die Voraussetzungen für Skalierung.
Security: Kein Patch, sondern Mindset
Mehr Daten, Schnittstellen, Interaktionen und KI-Agenten vergrößern auch die Angriffsfläche und Sicherheitsrisiken für Unternehmen. KI kann die Bedrohungsdynamik beschleunigen, aber auch dabei unterstützen, Sicherheitsvorfälle schneller zu interpretieren und entsprechende Muster schneller zu erkennen.
DSAG-Botschaften:
SAP setzt hohe Maßstäbe in der Security. Entscheidend ist, dass diese nicht nur konzeptionell, sondern auch im Betrieb wirksam werden. Ausgereifte Produkte und eine übergreifende Sicherheitsarchitektur sind die Grundlage dafür, dass Sicherheit nicht versprochen, sondern verlässlich geliefert wird. Die DSAG steht bereit, diesen Anspruch im Rahmen einer engen Zusammenarbeit konstruktiv zu begleiten und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Empfehlungen der DSAG an die Unternehmen:
- Security muss raus aus der „Basis-Blackbox“ und als Haltung und Querschnittsaufgabe verstanden und umgesetzt werden. Patching, Monitoring, Governance sowie SIEM/SOC müssen „gelebt“ werden.
- Die Unternehmen müssen jetzt starten, und nicht auf die „perfekte“ Situation warten.
- Security muss ganzheitlich über alle SAP-Systeme und -Domänen hinweg betrachtet werden. Die SAP Secure Operations Map und der DSAG-Best-Practice-Leitfaden bieten wichtige Entscheidungshilfen.
- Die betriebliche Informationssicherheit muss mit Security Operations Center und SAP-Experten eng zusammenarbeiten auf der Basis klarer Verantwortlichkeiten.
SAP-Botschaften:
- Durch KI wird Security zum unternehmensweiten Kernthema. Durch die Einführung von KI-Agenten und neuen Architekturen steigt die Komplexität erheblich. Security muss daher als integraler Bestandteil aller Initiativen betrachtet werden.
- Sicherheit muss ganzheitlich über Daten, Anwendungen und KI hinweg betrachtet werden. SAP betrachtet Sicherheit nicht mehr als isolierte Disziplin, sondern als durchgängige Anforderung entlang der gesamten Architektur.
- Souveräne KI ist ein strategischer Bestandteil der Security-Strategie. SAP investiert in Optionen für datensouveräne KI (zum Beispiel europäische Modelle und Cloud-Ansätze), um regulatorische Anforderungen und Datenschutzbedürfnisse zu erfüllen.
DSAG-Aktivitäten:
Best Practice Leitfaden Security
Transformation – Klarheit, Orientierung und Unterstützung auf allen Ebenen
Viele Unternehmen sind noch auf dem Weg nach S/4HANA und in die Cloud. Der Aufwand für die Modernisierung, die Datenbereinigung und den Aufbau von Skills binden wichtige Ressourcen, die nicht für KI-Investitionen eingesetzt werden können. Dadurch entsteht eine deutliche Lücke zwischen den SAP-Produktinnovationen sowie der Adoption und der Umsetzung neuer Lösungen durch die Unternehmen.
DSAG-Botschaften:
- Die kommerziellen und technologischen Einstiegshürden für KI, wie Lizenzmodelle, Testzugänge und Roadmaps, müssen reduziert werden.
- In Adoption, Governance-Werkzeuge und Migrationsunterstützung muss von SAP mehr investiert werden.
SAP-Botschaften:
- Value while transforming. Transformation ist keine strikt sequenzielle Aufgabe, Modernisierung und KI-Nutzung sollen parallel möglich sein.
- Die Lücke zwischen KI-Innovation und spürbarem KI-Mehrwert wird geschlossen.
- SAP investiert in SAP-managed Landschaften, Standardisierung, Integration, Cloud ALM, Joule for Consultants/Developers, Clean Core Tooling und Agenten für die Migration und Modernisierung.
- Kunden sollten stärker auf Standard, harmonisierte Datenmodelle und Cloud-Betriebsmodelle hinarbeiten, um Out-of-the-Box-Innovationen konsumieren zu können.
Entscheidende Hebel von Constanze Kurz (Sprecherin des Chaos Computer Club)
Künstliche Intelligenz
- Uninformierter und unreflektierter Einsatz von KI ist ein großes Risiko.
- KI-generierter Code ist oft repetitiv und fehleranfällig, was von wenig erfahrenen Entwicklern nicht behoben werden kann. Das Risiko für unsicheren oder ineffizienten Code steigt.
- Im Bereich der Regulierung ist KI stark risikobasiert. Das heißt, Anwendungen werden je nach potenziellem Schaden bewertet und nicht gleichwertig. Dadurch sind Zuständigkeiten und Aufsichtsstrukturen noch nicht vollständig geklärt und eine Technikfolgeabschätzung wird notwendig.
Empfehlungen:
- KI-Systeme müssen konsequent wie klassische Softwaresysteme behandelt werden, nicht als etwas „Neues“ oder „Unkontrollierbares“.
- Architektur, Risiken und Abhängigkeiten kritisch bewerten.
- Klare Verantwortlichkeiten und Governance-Strukturen
- Integration in bestehende Security- und Compliance-Prozesse
- Systematische Qualitätssicherung und Testing
- KI-Ergebnissen nicht „blind“ vertrauen
- Bewährte Sicherheitsprinzipien nicht außer Acht lassen, trotz fehlender Standards, unklarer Zuständigkeiten und mangelnder Kontrolle
Security
- Grundlegende IAM-Prinzipien, Multi-Faktor-Authentifizierung, ein durchgängiges Sicherheitsverständnis müssen umgesetzt werden.
- Security muss stärker quantifiziert werden
- Konkrete Kosten- und Schadensszenarien helfen das Thema auf Management-Ebene zu verankern
Kernbotschaften:
- Security scheitert eher an der Umsetzung und Priorisierung statt an der Technologie
- Grundlegende Maßnahmen wie Identity and Access Management, Multi-Faktor-Authentifizierung und Schulungen sind die größten Schwachstellen
- Verantwortung darf nicht hinter „Black-Box“-Argumenten versteckt werden
- Quantifizierung von Risiken ist entscheidend für die Management-Awareness
SAP-Systeme sind technisch solide, aber bei organisatorischen Themen muss nachgebessert werden.
Hackathon 2026: Let´s Hack the Future: KI-Agenten für smarte Business-Prozesse
Auch in diesem Jahr war der DSAG-Hackathon ein voller Erfolg. „Let’s Hack the Future: KI-Agenten für smarte Business-Prozesse“ lautete die Aufgabenstellung.
Anhand des „valantic Agent Frameworks“, einem Baukasten, der Sprach- und Textkommunikation vereint und direkt mit SAP-Komponenten integriert ist, musste von den Teilnehmenden ein KI-Agent entwickelt werden. Dieser sollte einen Prozess oder Service verbessern und einen echten Nutzen im Unternehmen schaffen.
29 Teams hatten sich beworben, sieben davon wurden angenommen. Student:innen, Duale Student:innen sowie Young Professionals von Beratungs- und Kundenunternehmen bestimmten das Feld der Teilnehmenden.
Aus dem Votum einer hochkarätig besetzten Jury aus DSAG-, SAP- und valantic-Vertreter:innen ging das Team Tjaro als Gewinner hervor und präsentierte seine Lösung METIC auf der großen Keynote-Bühne. Herzlichen Glückwunsch!
Die nächste Möglichkeit für junge, innovative Teams bietet der Ideathon von DSAG und PriceWaterhouseCoopers GmbH (PwC) vom 02. bis 05. Oktober 2026 in Köln. „Frische Ideen und Geschäftsmodelle für Verlage, Kreative und Veranstalter“ wird dann das Thema sein.