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8. April 2026

Next-gen SAP Ariba: Einmal alles neu

Eine fortschrittliche, KI-zentrierte Suite, die auf der SAP BTP basiert – so beschreibt SAP die nächste Generation von SAP Ariba. Was steckt dahinter?

Next-gen SAP Ariba: Was steckt dahinter?

Seit dem ersten Quartal 2026 ist Next-gen SAP Ariba auf dem Markt. Was der Software-Konzern mit der neuen Procurement-Lösung verspricht und an welchem Punkt sie derzeit steht, hat Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Vertrieb, Produktion & Logistik, analysiert.

Was steckt hinter Next-gen SAP Ariba – der Anwendung, die SAP als „KI-native, moderne Plattform“ bewirbt?

Thomas Henzler: Tatsächlich hat diese Generation wenig mit einer Weiterentwicklung zu tun. Hinter Next-gen SAP Ariba stecken komplett neue, auf der SAP BTP entwickelte Applikationen plus ein neues harmonisiertes Netzwerk im Hintergrund. Auch KI-Funktionen sind zum Teil schon bzw. werden zunehmend direkt in die Beschaffungsprozesse integriert.

Wichtig ist, wie schon beim bisherigen Ariba-Stack zu unterscheiden: Teil der Lösung sind einmal die Applikationen – dazu zählt u.a. Ariba Buying 360 (bisher Guided Buying) – und einmal das Ariba Netzwerk.

Warum geht SAP diesen Schritt? Das bisherige SAP Ariba ist doch bereits eine cloudbasierte Software-Lösung für den Einkauf und die Beschaffung.

Insbesondere durch Unternehmenszukäufe stand SAP immer wieder vor der Herausforderung, die neuen Anwendungen, die sich in Technologie und Datenmodell vom SAP-Kernsystem unterscheiden, in das bestehende Portfolio zu integrieren. Im Zuge seiner KI- bzw. Cloud-Strategie hat der Software-Konzern bereits diverse Lösungen – darunter die Sales und Service Cloud – auf Basis der Business Technology Platform (BTP) neu entwickelt. Mit dem Ziel: Sie technisch zu harmonisieren unter Berücksichtigung der sogenannten Suite Qualities, um sie besser und einfacher in den ERP-Kern prozessual wie technisch zu integrieren.

Auch Ariba war früher bekanntlich eigenständig. 2012 übernahm SAP die Einkaufs- und Beschaffungsplattform und integrierte sie in ihr Beschaffungs-Ökosystem rund um den ERP-Kern. Dennoch blieben Unterschiede in Datenmodellen und Integrationsmechanismen zu den SAP-Systemen bestehen. Besonders bei der technischen Integration der Systeme sowie dem Datenmodell am Beispiel Business Partner spüren das die Unternehmen noch immer. Mit der Next-gen-Lösung will SAP genau diese Punkte nachhaltig lösen und gleichzeitig den Grundstein für Innovationen legen – z. B. mittels KI.

Was sind die technischen Neuerungen mit Blick auf die Architektur, was ändert sich konkret für den Anwender?

Einmal werden die bestehenden Ariba-Applikationen von Grund auf neu entwickelt. Zwei Beispiele: So wird aus dem Supplier Lifecycle Management (SLM), dem Modul für das Lieferanten- bzw. Stammdatenmanagement im Beschaffungsprozess, jetzt Supplier 360. Aus Guided Buying, die Anwendung, die durch den Einkaufsprozess führt, wird Buying 360. Die Neuerungen sollen es Nutzer:innen ermöglichen, zentral auf Informationen zu Lieferanten, Bestellungen und Beschaffungsprozessen zuzugreifen und dabei eine ganzheitliche Sicht auf alle relevanten Einkaufsaktivitäten zu erhalten – daher der Name „360“.

Auch im Kontext des SAP Ariba Network, dem kollaborativen Netzwerk für Käufer und Lieferanten, gibt es Neuerungen. SAP kündigte an, die Geschäftspartnerdaten im Hintergrund zu harmonisieren und zu bereinigen, um eine zentrale Stammdatenplattform zu schaffen. Ziel ist es, Lieferanten- und Kundeninformationen konsistent und fehlerfrei zu verwalten und als Single Source of Truth für alle angeschlossenen Systeme und Anwendungen bereitzustellen.

Dazu kommt die KI-Komponente: Die neuen Joule-Agenten sollen Anwender künftig bei Entscheidungen im Beschaffungsprozess unterstützen, z. B. Lieferantenangebote analysieren, Kosten berechnen und Empfehlungen abgeben.

All diese Punkte klingen gut und sinnvoll – wie ist die DSAG-Perspektive darauf?

Der Grundgedanke dieser Neuerungen ist begrüßenswert, schaut man aber etwas genauer auf Next-gen SAP Ariba ergeben sich einige Fragen.

Die Netzwerk-Harmonisierung soll automatisiert im Hintergrund laufen, verspricht SAP. Eine gute Nachricht. Bis dato geht man auf Kundenseite von minimalem bis keinem Aufwand aus. Es bleibt abzuwarten, wie die Praxis aussehen wird.

Die neuen Applikationen, das steht fest, müssen die Anwender irgendwann einführen, wenn sie die neuesten Innovationen erhalten möchten. Wie schon für die Migration von der Sales Cloud V1 auf V2 wird SAP in den kommenden Monaten ein Tool bereitstellen, das den Umstieg erleichtern soll.

Knackpunkt zwei ist die Funktionsreife. Die neuen Anwendungen befinden sich technisch an vielen Stellen noch in einer frühen Phase. Wer zeitnah von einer bestehenden Ariba-Lösung umsteigen möchte, kann mitunter auf einige Herausforderungen je nach Modul in den Funktionen stoßen. Daher sollte individuell betrachtet werden, inwiefern eine Migration bereits sinnvoll ist.

Bei SAP-Neueinführungen bzw. Greenfield-Implementierungen setzen Anwender häufig direkt auf die neuesten Lösungen. Auch sie sollten sich bewusst sein, dass die Next-gen-Applikationen nicht den Stand der bisherigen Ariba-Lösungen haben und das Ziel auch nur bedingt eine Feature-Parität ist. SAP möchte den Fokus stärker auf den Outcome richten. Grundsätzlich ist dieser Ansatz nachvollziehbar, da letztlich der Mehrwert für das Business im Mittelpunkt steht. Die fehlende Klarheit über den zukünftigen Funktionsumfang von Next-gen Ariba erschwert die Migrationsentscheidung für Anwender aber eher zusätzlich.

Also gibt es für Anwender keinen Zwang, Next-gen SAP Ariba einzuführen?

Für das bestehende Ariba gibt es derzeit keine offizielle Abkündigung, es kann weiterhin von allen Kunden genutzt werden. Laut SAP fließt außerdem nach wie vor Budget in die Weiterentwicklung des bisherigen Ariba-Stacks – auch wenn sich mit Blick auf die offenen Funktions-Requests aus den Customer-Influence-Programmen ein anderes Bild ergibt. Hierzu stehen wir bereits mit SAP im Austausch, um mehr Transparenz über aktuelle und geplante Entwicklungen zu erhalten.

Damit besteht zurzeit kein Zwang, umzusteigen. Erfahrungen zeigen jedoch, dass Investitionen in „alte“ Lösungen früher oder später zurückgehen. Gerade in Hinsicht auf die Kosten, die dennoch jährlich weiter steigen, ist das nicht akzeptabel.

Was müssen Anwender, die sich für Next-gen SAP Ariba entscheiden, aus Lizenzsicht beachten?

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Frust auf Kundenseite, wenn es um die vertragliche Umstellung von Lösungen ging. Mit Next-gen SAP Ariba beschreitet SAP einen neuen Weg, den wir als DSAG sehr begrüßen. Für die neuen Ariba-Lösungen wird es keine neuen Stock Keeping Units (SKUs) geben. Das heißt, die bisherigen Materialnummern haben Bestand und die Preise zwischen „alter“ und neuer Lösung bleiben gleich. Bestehende Ariba-Kunden brauchen somit keinen neuen Vertrag, um die Next-gen-Variante zu nutzen.

Sie sollen außerdem laut Aussage von SAP die Möglichkeit bekommen, sich kostenfrei und zeitlich unbefristet über SAP for Me eine Customizing-Umgebung für die neuen Lösungen bereitstellen zu lassen. Das Angebot gilt für all die Lösungen, die Kunden bereits auf dem alten Stack im Einsatz haben.

So können sie sich mit den neuen Lösungen auseinandersetzen, den Reifegrad und damit auch die Nutzbarkeit im eigenen Unternehmen bewerten sowie die Systeme wie gewünscht konfigurieren. Mit Produktivsetzung der Systeme wird dann nach einigen Wochen das „alte“ Ariba abgeschaltet.

Bislang mussten Kunden Nachfolgelösungen meist neu lizenzieren mit zum Teil entsprechenden Mehrkosten oder eine Doppellizenzierung in Kauf nehmen. Dies entfällt durch dieses Vorgehen komplett – ein wegweisendes Modell für die kommerzielle Umstellung.

Wie fällt damit Ihr Resümee aus?

Fortschritt und Innovationen sind wichtig – und Next-gen SAP Ariba hat als moderne, Cloud-native Lösung das Potenzial, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Beschaffungs- und Lieferkettenprozesse effizienter zu gestalten. Entscheidend ist allerdings, dass SAP im Zuge der Einführung für mehr Transparenz sorgt, was den Entwicklungsstand anbelangt und ein entsprechendes Migrations-Tool bereitstellt, flankiert von Transformations-Incentives, wie man sie von anderen Lösungen kennt. Klar muss ebenfalls sein, dass der Software-Konzern Bestandskunden nicht mit ihren Herausforderungen – und dringenden Influencing Requests – auf dem bisherigen Ariba allein lässt.

Wichtig dabei ist außerdem, dass Next-gen SAP Ariba keine „Insel“ ist. Wie auch im SAP Business Network ist eine nahtlose Integration und ein semantischer Daten-Layer zu anderen SAP-Procurement-Lösungen extrem wichtig und ein Erfolgsfaktor für SAP, mit dem sich der Software-Konzern vom Wettbewerb abheben kann.

Zusammengefasst gibt es derzeit noch einige Unsicherheiten und offene Fragen. Da wir mit SAP dazu bereits in Gesprächen stehen, bin ich zuversichtlich, dass wir diese gemeinsam klären und in den kommenden Wochen und Monaten mehr Klarheit gewinnen werden.

Web-Session und weitere Infos

Erste Web-Sessions zu Next-gen SAP Ariba gab es bereits. Die Aufzeichnungen sind im DSAGnet abrufbar – unter anderem unter „Dateien“ und „Links“.

Weiterführende Infos und einen engmaschigen Austausch bietet der DSAG-Arbeitskreis Einkauf.

Gremien

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