KI jetzt auch für S/4HANA-On-Premises-Kunden
DSAG begrüßt Zwischenschritt für On-Premises-Kunden

Im Rahmen der Sapphire in Orlando hat SAP angekündigt, künftig auch S/4HANA-On-Premises- und SAP-ECC-Kunden den Zugang zu einigen KI-Lösungen zu ermöglichen. Das Angebot ist an vertragliche Voraussetzungen geknüpft, aber ein guter Zwischenschritt auf dem Weg zu weiteren Einsatzmöglichkeiten von KI-Lösungen im On-Premises-Umfeld
Bereits 2024 hatte die DSAG kritisiert, dass SAP Cloud-Kunden bevorzuge und On-Premises-Kunden von Innovationen und der Nutzung von KI ausschließe. Ausgangspunkt der Diskussion war die Ankündigung von SAP, wesentliche Innovationen nur noch Kunden mit einem RISE- oder GROW-Vertrag zugänglich zu machen. Diese strategische Neuausrichtung führte insbesondere bei On-Premises-Kunden zu erheblicher Verunsicherung. „Zwar hat SAP mit dem Programm RISE with SAP Migration and Modernization damals eine zentrale Forderung der DSAG aufgegriffen und ist damit insbesondere den Kunden entgegengekommen, die bereits Schritte in Richtung S/4HANA gegangen sind. Gleichzeitig wurden jedoch einzelne Produkte, die zuvor auch für On-Premises-Kunden verfügbar waren, exklusiv in RISE- und GROW-Preislisten überführt“, fasst Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender die Ausgangslage zusammen.
SAP kommt On-Premises-Kunden entgegen
Vor diesem Hintergrund hat die DSAG sich dafür eingesetzt, dass langjährige Bestandskunden nicht faktisch zu einem bestimmten Vertrags- oder Betriebsmodell gedrängt werden, sondern weiterhin die Möglichkeit erhalten, SAP-Innovationen entsprechend ihrer individuellen Transformationsplanung zu nutzen. „SAP hat ihr Angebot auch für On-Premises-Kunden und sogar auf SAP-ECC-Systeme, wenn auch noch mit Einschränkungen, erweitert. Ein Schritt, den wir als Vertretung von mehr als 4.000 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz begrüßen“, so Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender.
Ganz konkret können Kunden, die einen RISE-with-SAP-Vertrag abschließen und mindestens 50 Prozent ihres Volumens in Cloud-Subskriptionen umwandeln, in einem gewissen Rahmen KI auch in On-Premises-Systemen nutzen. „Wer die genannten Voraussetzungen erfüllt, kann jetzt leichter einige KI-Lösungen in bestehenden On-Premises-Systemen nutzen“, sagt Hungershausen. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch welche KI-Szenarien bzw. KI-Agenten freigegeben werden. Zusätzlich sind die genauen technischen Voraussetzungen noch nicht vollumfänglich bekannt. Hierzu befindet sich die DSAG bereits im Austausch mit SAP. Darüber hinaus ist die tatsächliche vertragliche Abbildung ebenfalls noch in Klärung. Dazu DSAG-Fachvorstand Michael Bloch: “Am Ende wird es hier von Details in der Formulierung abhängen, wie wirksam dieses Entgegenkommen tatsächlich ist und wie viele On-Premises-Kunden davon profitieren können.”
DSAG setzt sich für Zugriff auf relevante Innovationen ohne RISE-Vertrag ein
Vor diesem Hintergrund ist die Öffnung von S/4HANA On-Premises für den Einsatz von KI-Lösungen ein erster wichtiger Schritt. Aber weitere müssen folgen. „Die Kunden, die der SAP-Roadmap gefolgt und früh zu S/4HANA gewechselt sind, dürfen jetzt nicht weiterhin von Innovationen abgekoppelt sein“, so Hungershausen. Dementsprechend gilt: Auch S/4HANA-On-Premises-Kunden ohne RISE-Vertrag müssen Zugriff auf Innovationen und Produkte erhalten. Bloch ergänzt: “Wir sehen zwar mittlerweile, dass die kommerziellen Rahmenbedingungen für On-Premises immer weiter verschlechtert werden, das ändert aber nichts daran, dass viele Unternehmen bereits hohe Summen für S/4HANA ausgegeben haben und diese Investitionen sich auch rechnen müssen, vor allem vor dem Hintergrund der Wartungszusage bis 2040.”
Ebenfalls noch zu klären ist, in welcher Form SAP Joule for Developers im Bereich KI ebenfalls genutzt werden kann. Die Lösung bietet eingebettete KI-Funktionen für SAP Build und ABAP und spielt für gerade für Bestandskunden eine wichtige Rolle, die aus guten Gründen ihre S/4HANA-On-Premises-Systeme mittelfristig noch weiterbetreiben, während sie parallel den Schritt in Richtung Public Cloud vorbereiten. Für diese Unternehmen ist Joule for Developers ein wichtiger Baustein ihrer technologischen Weiterentwicklung. Haben doch gerade On-Premises-Entwickler Bedarf an unterstützenden KI-Funktionalitäten, um bestehende ABAP-Codebasen effizient zu analysieren und Transformation sowie Adaption von Innovationen gezielt zu unterstützen.
Cloud-first-Strategie mit Augenmaß
Zudem zeigt die aktuelle Marktrealität, dass viele SAP-Kunden noch nicht in RISE oder GROW angekommen sind. Laut DSAG-Investitionsreport 2026 nutzen 56 Prozent der befragten Unternehmen S/4HANA On-Premises, während 17 Prozent S/4HANA Private Cloud und 5 Prozent S/4HANA Public Cloud einsetzen. Auch bei den geplanten Investitionen liegt S/4HANA On-Premises mit 42 Prozent vor der Private Cloud mit 22 Prozent und der Public Cloud mit 6 Prozent. Werden zentrale Innovationen weiterhin an RISE- oder GROW-Verträge gekoppelt, bleibt ein großer Teil der Bestandskunden außen vor. Das ist aus DSAG-Sicht problematisch: „Unternehmen, die benötigte SAP-Lösungen nicht beziehen können, werden alternative Angebote anderer Hersteller prüfen oder einführen. Sind diese Lösungen erst einmal implementiert und in Prozesse integriert, ist eine Rückkehr zu SAP in diesem Szenario wenig wahrscheinlich“, ordnet Hungershausen ein. Die DSAG setzt sich daher für eine Cloud-first-Strategie mit Augenmaß ein. SAP sollte Kunden den Weg in die Cloud über überzeugenden Mehrwert, klare Migrationspfade und wirtschaftlich tragfähige Angebote eröffnen – nicht über eingeschränkten Zugriff auf Innovationen.