Höhere Arbeitsdichte – stille Last im Arbeitsalltag?
Umfrage der Women@DSAG zur Belastung im Beruf

Volle Terminkalender, zunehmende koordinative Aufgaben, mentale Verantwortung: Gerade Frauen erleben oft eine unsichtbare Mehrbelastung zusätzlich zum eigentlichen Jobprofil und der Vereinbarkeit mit privaten Verantwortlichkeiten wie Care-Arbeit. Die DSAG wollte wissen: Inwiefern ist diese Entwicklung Realität im DSAG-Frauennetzwerk?
In zahlreichen Branchen steigt die Arbeitsdichte spürbar: Es gibt immer mehr Projekte, komplexere Tools. Für viele Arbeitnehmer:innen wird der Spagat zwischen Arbeitsqualität, Geschwindigkeit, der Erwartungshaltung, ständig erreichbar zu sein, und persönlicher Belastbarkeit zur täglichen Herausforderung.
Das bestätigt auch die „Women @ Work Studie 2025“ von Deloitte, für die weltweit 7.500 berufstätige Frauen aus 15 Ländern, darunter 500 Arbeitnehmerinnen aus Deutschland befragt wurden. So bewerteten 26 Prozent der befragten Frauen für die Studie in Deutschland ihr psychisches Wohlbefinden als schlecht, 35 Prozent gaben an, dass ihr Stresslevel höher sei als vor einem Jahr.
Negativentwicklung sichtbar machen, Lösungen aufzeigen
„Das sind erschreckende Entwicklungen, die sich ändern müssen“, erklärt Elisa Ziegenbein, Teil des Sprecherinnen-Teams der Women@DSAG. „Wir wollen sie sichtbar machen, mit eigenen Zahlen, Stimmen und Lösungen.“ Denn gerade Frauen erleben im Alltag oft eine unsichtbare Mehrbelastung. Ausgelöst durch eng getaktete Tage, organisatorische To-dos, mentale Verantwortung – zusätzlich zum eigentlichen Jobprofil und der Vereinbarkeit mit privaten Verantwortlichkeiten wie Care-Arbeit.
Deshalb hat die DSAG Frauen innerhalb ihres Women@DSAG-Netzwerks befragt, inwiefern auch für sie diese stille Last im Arbeitsalltag Realität ist. Die Umfrage lief vom 15. Januar bis 06. Februar 2026, insgesamt 90 Frauen nahmen an der Erhebung teil.
Arbeitsdichte spürbar gestiegen
Das Ergebnis: 82 Prozent der Befragten erklärten, 2025 eine höhere Arbeitsdichte als in den Vorjahren gespürt zu haben, 10 Prozenten konnten das für sich nicht bestätigen. 8 Prozent waren sich unsicher. Bei der Frage, woran sie diese Entwicklung festmachen, reichten die Antworten von „mehr Projekte bei weniger Kolleg:innen“ über „ständig wachsende und wechselnde Anforderungen“ bis zu „neue und komplexer werdende Themen“. In zahlreichen der Rückmeldungen verwiesen die Teilnehmerinnen außerdem auf hohe bzw. gestiegene Überstunden.
Durch mentale Zusatzbelastungen beeinträchtigt
Auch ob sich die Frauen durch mentale Zusatzbelastungen im Job z. B. durch ständige Erreichbarkeit beeinträchtigt sehen, wurde evaluiert. 57 Prozent bestätigten das, während 32 Prozent „teilweise“ angaben und 11 Prozent verneinten. Als die größten Belastungen in diesem Zusammenhang nannten die Teilnehmerinnen u.a. „ständige Unterbrechungen bei der Arbeit“, „hoher Termindruck“, „permanente Erreich- und Verfügbarkeit“, „unrealistische Erwartungshaltung“, „kein Abschalten möglich“ und „Care-Arbeit und Beruf miteinander vereinen“.
„Die Antworten sind alarmierend. Wer dauerhaft auf dem Zahnfleisch geht, ist mittelfristig nicht mehr leistungsfähig – und mehr noch, riskiert seine Gesundheit. Das sollte Arbeitgeber:innen zu denken geben. Sind die Mitarbeitenden krank, gewinnt niemand“, macht Ziegenbein klar.
Strategien, um mit Herausforderungen umzugehen
Wie die befragten Frauen mit diesen Herausforderungen umgehen? Mit „Priorisierung“, durch „Strukturierung“, „Delegation“ und indem sie „Grenzen klären und abstecken“. Zahlreiche Teilnehmerinnen gaben als Konsequenz aber auch „Rückzug“, „Frustration“ und „Vernachlässigung sozialer Kontakte“ an. Auffällig sind zahlreiche Formulierungen mit „ich versuche“ – z.B. „ich versuche, einen persönlichen Ausgleich zu schaffen“, „ich versuche, mich noch besser zu organisieren“, „ich versuche mir, durch Atemübungen kurze Auszeiten zu gönnen“. Das zeigt, dass es unbedingt Unterstützung von außen braucht, damit es nicht bei dem Versuch bleibt.
Änderungen notwendig, um nachhaltige Entlastung zu schaffen
Wie sich die Befragten diese vorstellen, was sie strukturell oder von Arbeitgeber:innen für eine nachhaltige Entlastung benötigen, führten sie ebenfalls an: Sie nannten „mehr Personal bzw. Fachkräfte“,„Entbürokratisierung“, „Transparenz“, „Anerkennung“, und „Unterstützung von der Führung“. Ebenso erachten sie die Aufklärung über Care-Arbeit als notwendig und wünschen sich „Strukturen, die es allen Frauen ermöglichen, Vollzeit zu arbeiten und nicht den Spagat zwischen Care-Arbeit und Berufstätigkeit voraussetzen“ genauso wie „Flexibilität, um den Tagesablauf zu gestalten“.
Unterstützung durch die DSAG-Initiative
„Mit der Initiative Women@DSAG können wir an den Strukturen direkt nichts ändern. Wir können sie aber deutlich aufzeigen und die Herausforderungen transparent machen, um ein Umdenken anzustoßen“, so Ziegenbein. „Genau das tun wir. Gleichzeitig möchten wir Frauen, die mit hoher Arbeitsdichte und mentaler Belastung konfrontiert sind, unterstützen.“
Dafür bietet die Women@DSAG einen geschützten Raum für Austausch und Vernetzung. Es gibt Informationen sowie Impulse für Strategien im Umgang mit diesen Herausforderungen. Anlässlich der Umfrage ist außerdem für das kommende Jahr eine Web-Session-Reihe zum Thema „Frauen und Gesundheit am Arbeitsplatz“ geplant. Ziegenbein: „Unser Ziel ist es, alle Betroffenen zu bestärken und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind.“
Das nächste Mal kommt das Netzwerk auf den DSAG-Technologietagen am 17. März in Hamburg persönlich zusammen. Weitere Online-Veranstaltungen sind außerdem bereits in Planung. Alle Updates gibt’s direkt im Gremium.
Stimmen der Umfrageteilnehmerinnen
Auf die Frage danach, was es aus ihrer Sicht braucht, um eine nachhaltige Entlastung zu schaffen – z.B. strukturell oder von Arbeitgeber:innen – antworteten die Frauen u. a.: