SAP kündigt strategischen Ausbau des SAP Field Service Managements an
Aus SAP Field Service Management (FSM) wird SAP Field Service and Asset Management (FSA). Nicht nur der Name ändert sich, auch der Funktionsumfang.

Auf der SAP Sapphire im Mai stellte der Software-Konzern das Produkt SAP Field Service and Asset Management vor. Mit diesem nimmt SAP das Instandhaltungsmanagement in den Blick, konkret die Ressourcenplanung, und bietet unter anderem eine Nachfolgelösung für das SAP Multiresource Scheduling (MRS). Welche Neuerungen FSA außerdem bringen soll und inwiefern diese für Anwender:innen eine Verbesserung im Vergleich zum bisherigen FSM bedeuten, erläutert Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Vertrieb, Produktion & Logistik.
Im Zuge der SAP-Kundenkonferenz im Mai kündigte der Software-Konzern das Produkt SAP Field Service und Asset Management (FSA) an. Was hat es damit auf sich?
Thomas Henzler: FSA ist mehr oder weniger die Weiterentwicklung und Erweiterung des bekannten SAP Field Service Managements. Das FSM war bisher vor allem ein Produkt, um externe Service-Einsätze zu steuern. In Verbindung mit z. B. der SAP Service Cloud und dem SAP-Enterprise-Resource-Planning (ERP)-System ließ sich der komplette Außendienstprozess abbilden – von der Einsatzplanung bis zur Rückmeldung vor Ort. Die Idee hinter FSA ist es nun, wie der Namensteil „Asset Management“ besagt, die bestehende FSM-Lösung mit Planungsfunktionen zu erweitern, wie man sie aus dem SAP Multiresource Scheduling (MRS) kennt. Von diesem Ausbau profitieren die Anwender:innen nicht nur operativ. Er unterstreicht zugleich die strategische Relevanz der Lösung, was den Kunden Planungssicherheit gibt.
Was ändert sich konkret, welche Funktionen kommen dazu?
Dafür lohnt ein kurzer Blick zurück: 2018 übernahm SAP die Lösung „Coresystems“ des gleichnamigen Schweizer Unternehmens und integrierte sie als das heute bekannte Cloud-Produkt „FSM“ in ihre Systemlandschaft. Ziel war es unter anderem, das damalige Service-Angebot, insbesondere im Zusammenspiel mit SAP Cloud for Customer (C4C), zu erweitern.
Funktional war der Zukauf für die Anwender:innen eine Bereicherung. Mit Blick auf die Integration ergaben sich typische Herausforderungen einer solchen modularen Architektur, Stichwort Medienbrüche in Prozessen und nicht-durchgängiges Dokumentenmanagement. Gerade in der Instandhaltung – unabhängig davon, ob es sich um interne Anlagen oder Kundenmaschinen handelt – ist die konsistente und kontextbezogene Bereitstellung von Dokumenten noch immer eine Hürde.
Mit FSA möchte SAP diese Herausforderungen angehen. Als Grundlage für die Planungen und Durchführungen dienen die Service Order und der Instandhaltungsauftrag aus dem ERP. Die Service Order ist das zentrale Datenobjekt und somit die Basis für die Integration des FSA in SAP S/4HANA. Gleiches gilt für den Instandhaltungsauftrag.
Auch die Funktionalitäten, die heute noch das SAP Multiresource Scheduling (MRS) übernimmt, sollen Teil von FSA werden. Denn MRS läuft 2027 aus der Wartung. Oder anders gesagt: SAP muss die Lücken schließen, die sich in naher Zukunft zwischen FSM, Dispatching und dem MRS auftun. Ebenso soll der Planungsstand Backlog künftig mit FSA abgebildet werden.
Durch den Zukauf unterschied sich FSM bislang auch optisch von anderen SAP-Lösungen. Im Zuge der Weiterentwicklung will SAP das User-Interface anpassen und im Fiori-Design umsetzen. Gleichzeitig soll FSA schrittweise um diverse Joule-Funktionalitäten und KI-Agenten ergänzt werden.
Die weit verbreitete Mobility-App vom Field Service Management möchte SAP auf Basis der bestehenden Technologie grundlegend erneuern. Mittels Fiori Design soll auch hier die User-Experience harmonisiert werden. Dabei ist es zu begrüßen, dass es keine neue App geben soll, sondern die bestehende schrittweise umgebaut wird. Somit können Anwender:innen ihre gewohnte Anwendung weiternutzen.
Was bedeutet das für Anwender:innen?
Bestehende FSM-Kunden müssen zunächst nichts tun. Sie profitieren von dem erweiterten Funktionsumfang.
Anwender:innen, die einen Wechsel von MRS auf SAP FSA beabsichtigen – der spätestens ab 2027, mit Extended Maintenance ab 2030 notwendig wird –, brauchen hingegen eine entsprechende Cloud-Subscription. Hier erwarten wir seitens SAP ein Entgegenkommen. Denn es ist inakzeptabel, dass bestehende MRS-Kunden eine weitere Lizenz benötigen, nur damit sie bereits vorhandene Funktionalitäten weiterhin nutzen können.
Inwiefern ist FSA aus DSAG-Sicht eine Verbesserung?
Als DSAG begrüßen wir den Schritt hin zu FSA. Er unterstreicht die Bedeutung des Instandhaltungsmanagements für SAP. Zumal Anwender:innen mit der „neuen“ Lösung einen zukunftsfähigen Nachfolger für MRS erhalten. Auch der erweiterte Funktionsumfang und die geplante Harmonisierung der Oberflächen mit Fiori sind ein Plus – sofern sie in der Praxis den Einsatz der Anwendung dann auch durchgängig und verlässlich unterstützen.
Obwohl FSM nun um die Komponente „Asset Management“ bereichert wird, bleibt laut SAP die bekannte App „SAP Service and Asset Manager“ (SSAM) im Portfolio. Sie soll auch künftig weiterentwickelt werden. Das ist aus DSAG-Perspektive ein wichtiges Statement, da SSAM neben der FSM-Mobility-App bei zahlreichen Anwender:innen etabliert und im Einsatz ist. Daher behalten wir im Blick, inwiefern in die beiden Anwendungen auch künftig entsprechend investiert wird.
Was muss SAP aus DSAG-Sicht liefern, damit FSA auch nachhaltig für Anwender:innen einen echten Nutzen bringt?
Damit FSA nicht nur ein strategischer Ausbau des FSMs, sondern auch eine tatsächliche Weiterentwicklung wird, muss SAP an den technischen Grundlagen feilen – um bisherige Herausforderungen wie das erwähnte Dokumentenmanagement zu lösen. Ziel muss es sein, das „Suite-Versprechen“ einzulösen. Sprich: Integration zwischen den Systemen prozessual sowie technisch stärker zu automatisieren, damit Kunden Produkte und Prozesse end-to-end durchgängig nutzen können.