„Dafür ist der Ideathon da: um auszuprobieren, zu lernen, gemeinsam Ideen weiterzuentwickeln und über sich hinauszuwachsen“
DSAG-Ideathon: Blick hinter die Kulissen

Wie entsteht eigentlich ein Ideathon? Welche Räder müssen ineinandergreifen, damit auch in diesem Jahr wieder fünf Teams mit ihren Ideen um den Sieg pitchen können? Im Interview verraten die Organisator:innen, worauf es bei der Vorbereitung ankommt – und geben Einblicke in das, was während der Challenge im Hintergrund passiert: vom ersten Zusammentreffen der Teilnehmenden über die intensive Arbeitsphase bis hin zum Auftritt auf der großen Bühne.
Vom 02. bis 05. Oktober haben Studierende, Azubis und Young Professionals wieder die Chance am Ideathon teilzunehmen. Immer in Teams von vier Personen gilt es, sich der Challenge zu stellen, die in diesem Jahr heißt: „Frische Ideen und Geschäftsmodelle für Verlage, Kreative und Veranstalter. Entwickelt die wertschöpfenden Strategien von morgen. Gestaltet den Wandel von klassischen Inhalten zu disruptiven digitalen Ökosystemen.“
Der Ideenwettbewerb findet erneut im Zuge des DSAG-Jahreskongresses statt und mit bewährtem Partner, nämlich PwC Deutschland. Im Interview gewähren Andreas Hell, Senior Manager, und Victoria-Maria Beinert, Senior Associate Consultant (beide PwC Deutschland), sowie Dr. Reinhard Ematinger, Projektverantwortlicher der DSAG 4 Young Leaders einen Blick hinter die Kulissen.
Wie stellt man einen Ideathon auf die Beine?
Dr. Reinhard Ematinger: Sobald der Partner für das Event zugesagt hat, geht es darum, das Konzept festzuzurren – also Inhalte, Ziele, Vorgehen und detaillierte Agenda. Das stimmen wir in mehreren Diskussionen gemeinsam ab und entscheiden, wer welche Expertise wann einbringt. In diesem Jahr sollen die Talente die Frage beantworten, wie wir in Zukunft Geld verdienen – und in diesem Kontext greifbare Business-Modelle entwickeln.
Andreas Hell: Ein Satz, der wunderbar dazu passt, ist „The importance of being clueless.“ Als Reinhard im November 2024 um die Ecke kam und fragte: „Hast du nicht Lust, mit uns den Ideathon zu machen?“, war ich natürlich sofort begeistert dabei – und hab wiederum Victoria mit meinem Enthusiasmus angesteckt. Zu dem Zeitpunkt ahnten wir allerdings noch nicht, dass aus den veranschlagten „paar Stunden“ doch deutlich mehr wurden. Schließlich wollen vor allem die drei Tage Coaching mit den Teilnehmenden vor Ort optimal vorbereitet sein. Aber das ist unterm Strich ok, sonst würden wir das nicht erneut tun. Spätestens am Ende, wenn man in die stolzen und glücklichen Gesichter der Teilnehmenden blickt, weiß man, dass sich die investierte Zeit gelohnt hat. Zumal wir ein super eingespieltes Team waren.
Wenn die ganzen Vorarbeiten abgeschlossen, die Teilnehmenden ausgewählt und eingeladen sind: Wie laufen die Tage vor Ort ab?
Dr. Reinhard Ematinger: Wir haben aus den bisherigen Wettbewerben und Rückmeldungen der Teilnehmenden gelernt, dass ein klarer Rahmen Sinn macht. Den geben wir ihnen mit einer Agenda. Los geht’s freitagnachmittags nach der Ankunft der Teams. In einer gemeinsamen Session erklären wir ihnen, was auf sie zukommt, erläutern die Fragestellung, das Vorgehen – und die Werkzeuge, mit denen sie arbeiten werden. Dann kommen wir zum gemeinsamen Abendessen zusammen, damit sich alle kennenlernen können, und um die Stimmung etwas aufzulockern. Der Samstag und Sonntag stehen ganz im Zeichen des eigentlichen Coachings, bevor montags der Ergebnis-Pitch vor der Jury ansteht. Das Gewinner-Team darf dann am nächsten Tag noch einmal ran und sein Konzept auf der großen Bühne des DSAG-Jahreskongresses präsentieren.
Andreas Hell: Den Prozess, durch den wir die Talente dabei führen, besteht zu einem Teil aus gemeinsamen Impuls-Sessions; zu einem Teil aus konzentriertem Arbeiten, in dem sie selbstständig ihr Konzept weiterentwickeln; und zu einem Teil aus aktivem Coaching. Das heißt, wir gehen auf die Gruppen zu, stellen Fragen, geben Denkanstöße und helfen dabei, Gedanken zu strukturieren und Ideen zu schärfen.
Victoria-Maria Beinert: Konkret leiten wir die Teilnehmenden durch die fünf Stufen des Design-Thinking-Prozesses, an dessen Ende der Pitch vor der Jury steht. Die Reise beginnt mit Empathize. Hier geht es darum, die Bedürfnisse und Herausforderungen der potenziellen Zielgruppe zu verstehen. In der Phase Define wird das eigentliche Problem geschärft und klar formuliert. Damit ist der Problemraum abgeschlossen, bevor mit Ideate der Wechsel in den Lösungsraum erfolgt. Anschließend werden in Prototype erste Ideen greifbar gemacht und in Test mit potenziellen Nutzer:innen überprüft.
Wichtig dabei: Design Thinking ist kein linearer Prozess. Die Teams arbeiten sich nicht einmal von Phase eins bis fünf durch, um anschließend ihre Idee zu präsentieren. Vielmehr springen sie immer wieder zwischen den einzelnen Schritten hin und her. Wird beispielsweise ein „Prototyp“ getestet und das Feedback zeigt, dass das vermeintliche Problem für die Zielgruppe gar keines ist, geht es zurück an den Anfang. Dann heißt es erneut: Nutzer:innen verstehen, das Problem hinterfragen und die Idee weiterentwickeln. Genau diese Iteration macht den Ansatz so wertvoll. Ziel ist es nicht, möglichst schnell eine Lösung zu präsentieren, sondern ein Problem zu identifizieren, das tatsächlich relevant ist – und daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln.
Was sind in diesen zwei Tagen Konzepterarbeitung erfahrungsgemäß die größten Herausforderungen für die Teams – und damit die Hauptaufgaben der Coaches?
Dr. Reinhard Ematinger: An den beiden Tagen braucht es das richtige Maß an fachlicher Unterstützung und eben genau den Rahmen, von dem wir gesprochen haben. Es kommt vor, dass sich ein Team nicht einig ist bei einer Idee, dass es eine zweite Meinung oder einen Blick von außen braucht. Manche haben das Gefühl, festzustecken und nicht weiterzuwissen. Das ist innerhalb des Prozesses ganz natürlich. Diese Situationen als Coach zu bemerken und zu spüren, wann ein Team gerade einen Impuls benötigt und wann es in Ruhe gelassen werde möchte – das bedarf Fingerspitzengefühls. Deshalb ist uns auch die Wahl des passenden Ideathon-Partners so wichtig.
Andreas Hell: Wie Victoria richtig erklärt hat: Design Thinking ist ein iterativer Prozess. Oftmals brauchen die Teams einen kleinen Anstoß von außen, um zu erkennen, okay, die Idee funktioniert so nicht. Wir müssen doch wieder zwei Schritte zurückgehen. Was im ersten Moment womöglich schmerzhaft ist, hilft aber immer, um am Ende zu einem guten Ergebnis zu kommen.
Welche Momente sind euch vom vergangenen Ideathon besonders im Kopf geblieben?
Andreas Hell: Nach diesen intensiven Coaching-Tagen, in denen man die Teams eng begleitet, ist der große Bühnenauftritt vor dem Publikum des DSAG-Jahreskongresses natürlich besonders. Wenn ich sehe, wie die Gewinner-Teams* vor mehr als 5.000 Zuschauer:innen abliefern, macht mich das so stolz, als hätte ich selbst an der Idee gearbeitet.
Victoria-Maria Beinert: Absolut. Und dann im Nachhinein zu hören, dass die Teams auf dem DSAG-Jahreskongress von Besucher:innen auf ihre Ideen angesprochen wurden – das finde ich eine schöne Anerkennung. Das ist ein tolles Zeichen dafür, dass wirklich angekommen ist, was die Teilnehmenden in so kurzer Zeit geleistet haben.
Dr. Reinhard Ematinger: Für mich ist einer der spannendsten Momente des Ideathons jedes Jahr die Generalprobe der Finalist:innen* am Vorabend ihres großen Auftritts. 2025 hätten die Teams kaum unterschiedlicher sein können: Während eine Gruppe die Probe vor dem hell erleuchteten Saal mit seinen 5.000 leeren Stühlen souverän meisterte, hatte die andere sichtlich mit Nervosität zu kämpfen. Das machte mir dann doch etwas Sorgen. Dieses Team hat dann aber die ganze Nacht geübt und lieferte am nächste Morgen eine Performance ab, die sowohl den Inhalt als auch die Idee sehr sehr gut transportierte. Als daraufhin der Applaus einsetzte, wusste ich: Das ist das verdiente Gewinner:innen-Team. Das war stark.
Und noch eine Sache möchte ich potenziellen Teilnehmenden mitgeben: Niemand muss bereits Geschäftsmodell-Profi sein oder Erfahrung mit Pitches und Plattform-Business mitbringen. In den vergangenen Jahren habe ich erlebt, wie unterschiedlich die Ausgangssituationen der Teams waren – und trotzdem sind am Ende immer überzeugende Ergebnisse entstanden. Genau dafür ist der Ideathon da: um auszuprobieren, zu lernen, gemeinsam Ideen weiterzuentwickeln und über sich hinauszuwachsen. Dank unseres Partners PwC schaffen wir dafür die passenden Rahmenbedingungen. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir auch in diesem Jahr wieder starke Ideen und große Talente auf der Bühne sehen werden.
DSAG x PwC Ideathon 2026 – jetzt bewerben
Wer vom 02. bis 05. Oktober 2026 dabei sein möchte, hat jetzt noch die Chance dazu. Studierende, Azubis und Young Professionals können sich bis zum 15. Juli per Mail an ideathon@dsag.de bewerben. Alle Infos dazu gibt’s hier.
*Im vergangenen Jahr wählte die Jury zwei Teams aus, die vor dem Plenum des DSAG-Jahreskongresses ihre Idee präsentieren durften – die Gewinner:innen bestimmte am Ende das Publikum. In diesem Jahr kürt die Jury direkt das Gewinnerteam, das auf die große Bühne darf.