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13. Mai 2026

DSAG-Kommentar: SAP-Investitionen in Prior Labs, Dremio und Reltio 

Richtige Weichenstellung - jetzt entscheidet die Umsetzung

Mit den angekündigten Investitionen in Prior Labs sowie den geplanten Übernahmen von Dremio und Reltio setzt SAP ein deutliches Zeichen: Der Konzern adressiert Künstliche Intelligenz nicht nur als Funktionsversprechen, sondern investiert gezielt in strukturierte Daten, Datenintegration und Datenqualität als zentrale Voraussetzungen für produktive Business AI. Damit greift SAP zentrale DSAG-Forderungen auf, die im Rahmen der Technologietage 2026 formuliert wurden. 

Aus Sicht der DSAG bestätigt SAP eine strategische Erkenntnis, die aus Anwenderperspektive zentral ist: Enterprise-KI scheitert nicht primär an Modellen, sondern häufig an fehlendem Datenkontext, mangelnder Integration und unzureichender operativer Reife. Die nun angekündigten Schritte rund um Prior Labs, Dremio und Reltio sind daher zu begrüßen. Wichtig ist nun, dass es SAP gelingt, diese Investitionen schnell, transparent und praxistauglich in den Standard zu überführen. 

KI dort stärken, wo Unternehmenswert entsteht 

Mit der geplanten Übernahme von Prior Labs und einer Investitionszusage richtet SAP den Fokus auf Tabellarische Foundation Models (TFMs), kurz TFMs. Dabei handelt es sich um KI-Modelle, die explizit auf strukturierte Unternehmensdaten ausgelegt sind. Damit wird ein Kernproblem heutiger KI-Ansätze im Unternehmensumfeld adressiert. Große Sprachmodelle verfügen über ein begrenztes Verständnis für Zahlen, Tabellen und statistische Zusammenhänge. Genau dort liegt jedoch ein großer Hebel für produktive KI in Geschäftsprozessen – etwa bei Lieferantenrisiken, Zahlungsprognosen, Kundenabwanderungen oder Forecasts. 

„Die Investition in Prior Labs passt sehr gut zur DSAG-Forderung, KI nicht als lose Sammlung von Use Cases zu denken, sondern als orchestriertes System entlang klarer Regeln, Verantwortlichkeiten und Qualitätskriterien“, kommentiert Stefan Nogly, DSAG-Fachvorstand Technologie. Insbesondere die Weiterentwicklung SAP-eigener Modelle wie RPT-1 wird von der DSAG ausdrücklich unterstützt, da sie strukturierte Geschäftsdaten nativ verstehen und damit einen echten Enterprise-Mehrwert bieten. „Entscheidend wird aber sein, wie schnell Forschungsergebnisse aus Prior Labs in produktive, lizenzierbare und planbar verfügbare SAP-Services überführt werden. Außerdem müssen Roadmaps, Abhängigkeiten und Reifegrade transparent kommuniziert werden“, fasst Stefan Nogly zusammen.  

Datenintegration als Schlüssel zur Skalierung von KI 

Eines der größten strukturellen Hemmnisse für KI-Initiativen in Unternehmen ist die Fragmentierung von Daten über System- und Anbietergrenzen hinweg. Mit der Übernahme von Dremio sollen SAP- und Nicht-SAP-Daten auf einer offenen, Lakehouse-Plattform zusammengeführt werden, um agentische KI im Unternehmensmaßstab zu ermöglichen. Damit geht SAP auf eine Beobachtung der DSAG ein, nach der viele KI-Projekte nicht an Algorithmen scheitern, sondern daran, dass Daten nicht konsistent, nicht kontextualisiert oder nicht zeitnah verfügbar sind. Mit Dremio möchte SAP die Business Data Cloud substanziell stärken und die Time-to-Value für KI- und Analytics-Anwendungen deutlich reduzieren.  

Die DSAG bewertet die Übernahme von Dremio als wichtigen Schritt, um die SAP-Datenplattform gezielt weiterzuentwickeln. Aus Sicht vieler Anwender galt diese bislang als noch nicht genügend ausgereift. Mit der Akquisition adressiert SAP zentrale DSAG-Forderungen: mehr Offenheit, eine bessere Integration sowie geringere Einstiegshürden für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dazu sagt der DSAG-Technologievorstand: „KI-Mehrwert darf nicht durch zusätzliche Komplexität erkauft werden.“ Entscheidend wird nun sein, dass SAP die Dremio-Funktionalitäten einfach konsumierbar macht, wirtschaftlich nachvollziehbar lizenziert und klar in bestehende SAP-Architekturen integriert. Nur dann kann die Übernahme dazu beitragen, die SAP-Datenplattform im Sinne der Anwenderunternehmen weiterzuentwickeln. 

Datenqualität und Kontext als Fundament von Business AI 

Mit der angekündigten Übernahme von Reltio ergänzt SAP aus Sicht der DSAG ihre Datenstrategie um einen weiteren konsequenten Baustein: Master Data Management als zentrale Voraussetzung für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz im Unternehmen. Reltio ermöglicht es, aus fragmentierten Datenquellen sogenannte Golden Records zu erzeugen – also konsistente und kontextreiche Stammdatensätze über SAP- und Nicht-SAP-Systeme hinweg. 

Damit adressiert SAP einen besonders sensiblen Punkt im Enterprise-Umfeld: die Nachvollziehbarkeit, Governance und Compliance von KI-Entscheidungen. Denn ohne saubere Stammdaten und klaren Kontext lassen sich KI-Ergebnisse weder zuverlässig erklären noch regulatorisch absichern. 

Der DSAG-Technologievorstand ordnet ein: „Ohne saubere Stammdaten und klaren Kontext lassen sich KI-Ergebnisse weder zuverlässig erklären noch regulatorisch absichern.“ Die Integration von Reltio in die SAP Business Data Cloud ist aus DSAG-Sicht daher ein sehr wichtiger Schritt, um Enterprise-Readiness nicht nur zu versprechen, sondern systemisch abzusichern. Sie kann dazu beitragen, Security, Compliance und Datenqualität von Anfang an mitzudenken. Gleichzeitig erwartet die DSAG klare Aussagen dazu, wie bestehende MDM-Szenarien künftig eingebunden werden. Für Anwenderunternehmen ist insbesondere entscheidend, welchen Einfluss Reltio auf SAP MDG hat, wie sich dessen Roadmap zukünftig verändert, welche Migrationen notwendig werden und an welchen Stellen betriebliche Komplexität tatsächlich reduziert wird. 

SAP denkt KI ganzheitlicher – nun muss sie ankommen 

In Summe unterstreichen die Investitionen in Prior Labs, Dremio und Reltio eine strategische Ausrichtung von SAP, die in wesentlichen Punkten mit zentralen DSAGForderungen übereinstimmt und KI stärker vom Fundament her denkt: Datenqualität, Integration und spezialisierte Modelle statt bloßer Funktionsankündigungen. 

Aus DSAGSicht ist das der richtige strategische Kurs. Ob daraus jedoch nachhaltiger Mehrwert für die Anwender entsteht, entscheidet sich an fünf Punkten: 

  1. Produktreife statt Ankündigungsdichte 
  2. Klare, belastbare Roadmaps
  3. Einfacher Zugang zu KIFunktionalitäten 
  4. Wirtschaftlich transparente Lizenz- und Betriebsmodelle 
  5. Technische Durchgängigkeit und nahtlose Prozessintegration 

Die DSAG ist bereit, diesen Weg konstruktiv zu begleiten. Gleichzeitig wird sie SAP weiterhin daran messen, ob die angekündigten Investitionen spürbar bei den Kunden ankommen – etwa durch stabile Prozesse, nachvollziehbare Entscheidungen und messbaren Business-Nutzen. 

Kommerzielle Abbildung wirft weiterhin Fragen auf 

Ein offenes Fragezeichen bleibt aus Sicht der DSAG die kommerzielle Abbildung. Soweit die DSAG dies bisher beurteilen kann, sollen alle Lösungen als Teil der SAP Business Data Cloud verfügbar gemacht werden. Inhaltlich ist das ein nachvollziehbarer Schritt. Entscheidend ist jedoch, dass SAP dafür auch ein wirksames und verständliches kommerzielles Modell bereitstellt. Das bisherige Vertragsmodell ist bereits sehr komplex. Die neuen Lösungen sollten daher nicht zu weiteren unterschiedlichen Berechnungsmodellen führen, sondern einfach als Teil der sogenannten Core Capacity Services konsumierbar sein. Auch hier fordert die DSAG eine deutliche Vereinfachung und mehr Flexibilität, damit die Verbreitung der SAP Business Data Cloud weiter zunimmt.

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