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12. Mai 2026

Neues Zielbild: Autonomous Enterprise

SAP definiert eine neue Zielarchitektur für KI-getriebene SAP-Lösungen

Neues Zielbild: Autonomous Enterprise

Auf der Kundenkonferenz Sapphire gab SAP bekannt, die Business Suite als North-Star-Architektur ablösen zu wollen. Nach nur einem Jahr heißt das neue Zielbild nun „Autonomous Enterprise“.

Nach nur einem Jahr ist die SAP Business Suite schon wieder Geschichte. Auf ihrer Kundenkonferenz im Mai stellte SAP das neue Zielbild vor: das sogenannte Autonomous Enterprise. „Damit reagiert der Software-Konzern auf den Innovationsdruck rund um Künstliche Intelligenz und rückt diese konsequent in den Mittelpunkt seiner Architekturstrategie“, erklärt Thomas Henzler, DSAG-Fachvorstand Vertrieb, Produktion & Logistik, und nimmt vorweg: „Die bekannten Inhalte und Produkte der Business Suite bleiben bestehen, sie werden neu sortiert und um KI-Lösungen ergänzt.“

Neues Zielbild: Autonomous Enterprise

Autonomous Enterprise: Aufbau und Funktion der Layer. Quelle: SAP

Business AI Platform: Entwicklung und Bereitstellung von KI-Lösungen

Das neue Zielbild im SAP Cloud ERP besteht aus mehreren zusammenhängenden Schichten. Die Basis bildet die Business AI Platform. SAP beschreibt sie als neue Plattform für die Entwicklung und Bereitstellung von KI-Lösungen (z. B. mit Joule Studio) für Unternehmen. Sie soll Prozesskontext, einheitliche Geschäftsdaten und speziell entwickelte Modelle mit unternehmensweiter Governance verbinden. Dafür führt sie die SAP Business Technology Platform (BTP), die SAP Business Data Cloud (BDC) und SAP Business AI in einer Umgebung zusammen. Der Begriff „BTP“ rückt damit zusehends in den Hintergrund, auch wenn die Technologien der BTP weiterhin integraler Bestand der Business AI Platform sind.

Ebenso Teil der Plattform sind LeanIX und Signavio. Durch die Zusammenführung dieser Lösungen („Govern“) in Kombination mit der Entwicklungsumgebung („Build“) verfolgt SAP den Ansatz des „Intent-based Developments“. Ziel ist es, die Anwendungsentwicklung künftig stärker fachlich und KI-gestützt auszurichten. Der Prozess beginnt dabei im Prozessmanagement in Signavio, wo z. B. Prozessverbesserungen identifiziert werden. Er führt über das Vibe Coding, das in der neuen SAP-Joule-Studio-Version möglich ist, und geht bis zur KI-Agenten-Orchestration in LeanIX über den gesamten Lifecycle hinweg. „Natürlich ist jede Komponente auch weiterhin für sich genommen nutzbar“, so Henzler und fügt hinzu: „Interessant ist in diesem Kontext die Ankündigung der Partnerschaft mit dem Workflow-Anbieter n8n. Die n8n-Lösung soll sich zukünftig mit Joule Studio integrieren lassen.“

SAP Knowledge Graph: Verbindung zwischen AI Platform und Applications

Die Verbindung zwischen AI Platform und Applications – den eigentlichen SAP-Lösungen auf der Autonomous Suite – bildet der SAP Knowledge Graph. Er macht SAP-Daten für die KI-Agenten les- und abrufbar und soll so eine strukturierte Übersicht über alle Geschäftsprozesse und Beziehungen innerhalb der jeweiligen SAP-Landschaft ermöglichen. „Bisher war es für Joule aufgrund der teils komplexen Datenbanken mitunter schwierig, Fragen aus SAP-Systemen zu beantworten“, ordnet Henzler ein. „Bleibt also abzuwarten, wie viel die Datenübersetzung des Knowledge Graphs in der Praxis künftig besser funktioniert.“   

SAP Autonomous Suite: KI für durchgängige Prozessautomatisierung

Mit der SAP Autonomous Suite bietet SAP mehr als 50 domain-spezifische Joule-Assistenten in den Bereichen Finanzen, Lieferkette, Beschaffung, Personalmanagement und Kundenbindung. Diese Assistenten sollen durchgängige Prozesse automatisieren, indem sie eine Untergruppe von über 200 spezialisierten Agenten koordinieren, um präzise Aufgaben auszuführen. Wie der Name besagt, steht hier die Autonomie im Fokus. SAP spricht von Geschäftsanwendungen, die Prozesse selbstständig ausführen sollen.

AI Domains: Prozesswissen, Datenmodelle, regulatorische Anforderungen

Um den autonomen Charakter zu betonen, nennt SAP die Bereiche entlang der Lines-of-Businesses, also Finanzen, Lieferkette, Beschaffung, Personalmanagement und Kundenbindung, nun entsprechend „Autonomous Finance“, „Autonomous Supply Chain“ usw.

Praktisch soll KI direkt in die Kernsysteme eingebettet werden und so eine durchgängige Prozessautomatisierung ermöglichen. Für jeden Prozessschritt bietet SAP den passenden Assistenten. Innerhalb der Autonomous Supply Chain gibt es z. B. den „Product Design Assistant“, „Planning Assistant“ und „Procurement Assistent“ usw. Jeder dieser Assistenten koordiniert wiederum mehrere Agenten für Teiltätigkeiten wie „Recipe Formulation Agent“, „Product Change Management Agent“ oder „Product Data Maintenance Agent“. Dabei werden laut SAP branchenspezifische Logik, Datenmodelle sowie regulatorische Anforderungen berücksichtigt. So übernehmen Assistenten und Agenten das Koordinieren von Planungs-, Produktions- und Verwaltungsprozessen, während die Anwender:innen künftig nur noch für strategische Entscheidungen und die Aufsicht verantwortlich sind. Mit „Industry AI“ bezeichnet SAP genau diese, nun eigens bereitgestellten industriespezifischen KI-Agenten.

„Auch wenn Bereiche und Applikationen künftig neue Namen tragen, liegen weiterhin die bekannten Software-as-a-Service-Lösungen zugrunde“, erklärt Henzler. „Innerhalb von ‚Autonomous Procurement‘ werden Beschaffungs- und Lieferantenprozesse über Ariba gesteuert, und innerhalb von ‚Autonomous Supply Chain‘ ist das Business Network auch künftig die Basis – um nur zwei Beispiele zu nennen. An den Lösungen selbst gibt es keine Änderungen, sie werden einzig um diverse KI-Agenten erweitert.“

Joule Work: Nutzer:innen-Interaktion

Steuern und anstoßen können Anwender:innen die Prozesse weiterhin via Joule – konkret mit „Joule Work“. Damit will SAP Nutzer:innen nun eine verbesserte Interaktionsmöglichkeit bieten: Sie sollen einfacher, schneller und effektiver mit SAP-Software interagieren können – und nicht mehr durch einzelne Anwendungen navigieren müssen. Außerdem erklärt SAP, dass mit Joule Work nicht nur Konversation möglich sei, sondern der Copilot künftig auch proaktiv relevante Erkenntnisse aufzeigen und Routineaufgaben im Hintergrund automatisiert übernehmen könne. Er soll auf Desktop- und Mobilgeräten sowie per Sprachsteuerung für SAP- und Nicht-SAP-Systeme verfügbar sein. „Inwiefern SAP mit Joule Work eine echte Neuerung liefert, die sich maßgeblich vom bisherigen Joule unterscheidet, bleibt noch zu beobachten. Wir erhoffen uns jedoch einiges davon“, so Henzler.   

Customer-Journey: Der Weg zum Zielbild

Um Anwender:innen zum „Autonomous Enterprise“ zu führen, hat SAP seine Kunden- und Partnerprogramme überarbeitet – und einen Fonds ins Leben gerufen. Dieser soll Partnern Anreize bieten, Kunden bei der Bereitstellung von SAP-basierten KI-Assistenten und -Agenten zu unterstützen sowie bestehende Agenten auf der neuen SAP Business AI Platform zu erweitern bzw. neue zu entwickeln.

Auch die Angebote „RISE with SAP“ und „SAP GROW“ werden aktualisiert: Jeder RISE-Kunde bekommt im ersten Jahr drei Joule-Assistenten zur Verfügung gestellt, während GROW-Kunden bereits beim Onboarding Zugriff auf das gesamte Portfolio an Assistenten erhalten.  

DSAG-Einschätzung

„SAPs strategischer Wechsel von der Business Suite als North-Star-Architektur hin zum Autonomous Enterprise wird keine Auswirkungen auf die aktuelle Systemlandschaft der Kunden haben, sodass aktuelle Vorhaben überdacht werden müssten, wenn es bspw. um eine S/4HANA-Umstellung geht“, schätzt Henzler. „Im Kern der Autonomous Enterprise stehen nach wie vor die Applikationen – diese bleiben bestehen. Es macht aber durchaus Sinn, zu prüfen, welche KI-Agenten sinnvoll eingebunden werden können. Der Business-AI-Layer fasst in erster Linie viele bisher eigenständige Lösungen zusammen. Zudem werden die neuen Partnerschaften, aber auch Zukäufe im Bereich KI einfließen. Damit liegen die Änderungen im Wesentlichen in der Art und Weise, wie die Architektur im Kontext KI zusätzlich aufgebaut wird.“

Er erklärt: „Als DSAG können wir den Ansatz grundsätzlich nachvollziehen. Spannend wird sein, wie sich dieser in den kommenden Monaten entwickelt und ob die bereits mit der Business Suite gegebenen Versprechen künftig eingelöst werden, etwa bei SAP-verwalteten Integrationen zwischen SAP-Systemen.“

Entscheidend ist aus DSAG-Perspektive, dass grundlegende Funktionen, die eine Suite bzw. ein ERP erfolgreich machen – beispielsweise durchgängiges Dokumentenmanagement, zentrale Benutzerverwaltung oder die kontinuierliche Weiterentwicklung der Benutzeroberflächen – nicht zugunsten neuer Investitionen in den Hintergrund geraten. Denn der klare Fokus von SAP sollte darauf liegen, das tägliche Arbeiten der Anwenderinnen und Anwender nachhaltig zu unterstützen.

SAPs Vision: AI-Native North Star Architecture

Welchen Einfluss KI auf SAP-Architekturen hat – und wie sich SAP in der Konsequenz ihre künftige Technologielandschaft vorstellt: Das skizziert das Dokument „AI-Native North Star Architecture“. Die DSAG hat die Erstellung inhaltlich begleitet und das Papier kommentiert. 

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